Kakaoanbau für eine bessere Zukunft I Dialogreise Peru

Kakaobohnen aus Peru

Der zweite Teil unserer Dialogreise führt uns ins Departement Madre de Dios im dicht bewaldeten und artenreichen Amazonasgebiet. Was für ein Kontrast zum staubig-grauen Lima. Doch der Blick von oben auf den sattgrünen Teppich täuscht. Der Raubbau an der Natur ist immens, werden doch jedes Jahr in Peru 200.000 Fußballfelder Regenwald abgeholzt. Ganze Flusslandschaften sind schon vernichtet.

Unterwegs im Amazonasgebiet: Rodung des Regenwaldes und illegaler Goldabbau

Nicht nur die ansässigen Kleinbauern, sondern vor allem illegale Schürfer roden den Wald. Sie wollen an das begehrte Gold herankommen. Seit die Schotterpiste nach Cusco im Hochland 2012 durch eine geteerte Straße ersetzt wurde, kommen die Goldgräber in Scharen. Die Zuwanderer aus dem bitterarmen Hochland hoffen hier auf ein wenig Geld. Mit Quecksilber und anderen Chemikalien lösen sie das begehrte Edelmetall aus dem Schlamm heraus und leiten das Abwasser dann ungefiltert in die Flüsse. Riesige Flächen liegen inzwischen geschunden und verödet da. „Der Staat hat zwar Gesetze gegen die illegale Schürferei auf den Weg gebracht, aber sie werden einfach nicht durchgesetzt“, erklärt uns die Forstingenieurin Laura Ramirez von der Caritas Madre de Dios. Sie und ihre Kollegen beobachten mit Sorge, wie Kleinbauern und indigene Bevölkerung zurückgedrängt oder von ihren Ländern vertrieben werden.

Gruppenfoto
Besuch der Dialogreisenden in der Erzeugergemeinschaft „El Progreso“

Nachhaltiger Anbau und Gründung von Erzeugergemeinschaften

Und genau hier setzt das von Caritas international unterstützte Projekt der Caritas Madre de Dios an. Kleinbauern werden beim nachhaltigen Anbau, aber auch bei der Gründung von Erzeugergemeinschaften unterstützt. Denn gemeinsam lassen sich Anbau, Ernte und eine Vermarktung der Produkte besser stemmen. Die Kleinbauern bekommen also nicht nur Know-How an die Hand, sondern werden auch bewusst als Gemeinschaft gestärkt. „Damit sie ein ordentliches Auskommen haben und sich den illegalen Goldschürfern besser widersetzen können“, erklärt uns der Leiter von Caritas international, Dr. Oliver Müller.

Das Projekt zeigt Erfolge: Kleinbauern sind auf ihre Felder zurückgekehrt, können mit ihren Familien auf ein stabiles Einkommen zählen. Einer von ihnen ist Bernardo. Er ist Präsident der Erzeugergemeinschaft „El Progreso“. „Die Natur hat uns alles geschenkt, und wir entwickeln uns mit ihr“, sagt der vierfache Familienvater. So verzichtet die aus 38 Landwirten bestehende Erzeugergemeinschaft auf Pestizide und lässt auf einem Teil ihrer Fläche den Regenwald wuchern. Auch gedeihen auf den Parzellen immer verschiedene Pflanzen wie Kakaopflanzen, Mangos und Avocados nebeneinander.

Bernando aus Peru, Madre de Dios
„Wir wollen unsere Produkte nicht nur in der Region, sondern auch darüber hinaus verkaufen“, sagt uns Bernardo und präsentiert uns stolz die seltenen Kakaobohnen “Cupuacu”.

Ganz besonders stolz sind die „El Progreso“-Mitglieder aber auf ihre „Cupuacu“, eine in Peru noch wenig verbreitete „Cousine“ der Kakaopflanze. Mit ihr haben sie große Pläne, wollen sie zu Schokolade und Trinkschokolade weiterverarbeiten. Mit Unterstützung der Caritas wurden ein Grundstück erworben und eine kleine Produktionshalle errichtet. Strom und eine Anlage zur Wasseraufbereitung werden bald folgen.

„El Pampa“ – eine illegale Goldschürfersiedlung

Auf dem Weg zur nächsten Erzeugergemeinschaft passieren wir „El Pampa“. Etwa 30.000 Goldschürfer leben in dieser illegalen Siedlung, die sich immer weiter in die Pufferzonen des Nationalparks hineinfrisst. Aus Sicherheitsgründen halten wir hier nicht an. Das Bild ist trostlos: Notdürftig gezimmerte Verschläge auf dünnen Stelzen ziehen sich die Straße entlang. Müllberge türmen sich in den Gräben. Kinder spielen im Dreck. Rund um die Hütten ist aber auch eine illegale Infrastruktur gewachsen. Da gibt es Lebensmittelläden, Tankstellen, Cafés, Werkstätten und Bordelle. Gewalt ist an der Tagesordnung. Wer hier Probleme habe, sei auf sich gestellt, sagt Laura. „Der Staat ist einfach nicht präsent.“

Kakaoproduktion und Genossenschaften für eine bessere Zukunft

Nach diesen Bildern tut es gut, Rosa zu treffen. Sie ist Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft „Aprocci“ und beschreibt uns mit sehr viel Herzblut, wie sie sie und ihre Mitstreiter gemeinsam 120 Hektar Land bewirtschaften und zum Beispiel Kakao anbauen. Gemeinsam sind sie auch aus dem Hochland nach Madre de Dios gekommen.

Oliver Müller, Leiter von Caritas international in Peru
“Der Kakaoanbau und der Verkauf ist für uns essenziell geworden. Unsere Trinkschokolade ist mittlerweile überall bekannt und beliebt“, sagt Rosa zu Oliver Müller, Leiter von Caritas international

Rosa erklärt uns die verschiedenen Stadien der Kakaoverarbeitung, wie die Bohnen erst fermentiert und dann getrocknet werden. Eine Maschine zur Trocknung ist gerade in Betrieb genommen worden. Stolz schenkt die 25 Mitglieder zählende Erzeugergemeinschaft dann ihre sogar preisgekrönte Trinkschokolade aus.

„Ich fand es klasse, dass sich Rosa und die anderen Kleinbauern zusammen auf den Weg gemacht haben, gemeinsam neu angefangen haben und sich nun gegenseitig unterstützen“, sagt Thomas Domnick. Verena Müller ist beeindruckt davon, dass „den Familien eine klare Lebensgrundlage ermöglicht und zugleich die Schöpfung bewahrt wird“. Andreas Rölle sagt: „Hier gibt es eine Perspektive für die Zukunft.“

Trinkschokolade in Peru
Gemeinsam bauen die Kleinbauern in Gemeinschaften Kakao an. Der Verkauf der Trinkschokolade bietet den Menschen in Peru eine neue Lebensgrundlage.

Die Infrastruktur für „Aprocci“ aufzubauen, wäre ohne die Caritas und die finanzielle Hilfe von Caritas international nicht möglich gewesen, erzählt uns Rosa. Sie schmiedet schon Zukunftspläne. Gemeinsam mit Bernardos und zwei weiteren Erzeugergemeinschaften will sie eine Genossenschaft gründen. „Ich habe kein Interesse, mein Land zu zerstören“, sagt Rosa. „Stattdessen wird es weiter gehen. Es wird Leben geben.“

Rosa, Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft „Aprocci“

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Hier geht es zu weiteren Blogbeiträgen aus Peru von Julia Gaschik.

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Autor: Julia Gaschik

Julia Gaschik ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Diözesancaritasverband in Mainz. "Ich bin gebürtige Hildesheimerin, gelernte Journalistin und seit 2011 für die Caritas im Bistum Mainz im kommunikativen Einsatz. Ich freue mich sehr, die Dialogreise von Caritas international nach Peru als Kommunikatorin zu begleiten, die Menschen vor Ort zu treffen und zu erfahren, was die Caritas in diesem spannenden Land bewegt."

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