Kaum da und schon auf Reisen

Ich war kaum eine Woche als Praktikant tätig, da wurde ich schon ins kalte Wasser geworfen. Gemeinsam mit meinem Kollegen Stefan Teplan begleitete ich drei Kolleginnen der Caritas Ukraine auf eine 10-tägige Begegnungsreise quer durch Süddeutschland.

Begegnungsreise der Caritas

Jedes Jahr im November findet die sogenannte Begegnungsreise statt. Hierzu kommen Mitarbeitende einer Partnerorganisation im Ausland nach Deutschland und erhalten Einblicke in die Facharbeit bei uns in Deutschland. Die Reise soll zum Fachaustausch anregen und die Caritas-interne Kommunikation über Ländergrenzen hinaus stärken. Unsere ukrainischen Kolleginnen bekamen durch angeregte Gespräche und spannende Begegnungen viele Einblicke in die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe hierzulande. Beim Besuch einer Traumatherapie in Ulm bekamen wir beispielsweise interessante Einblicke in die Arbeit mit Kindern, die Kriegs- und Fluchterfahrung machen mussten. Im Mehrgenerationenhaus in Taufkirchen wird das Zusammenleben unterschiedlicher Altersgruppen, die häufig auch einen anderen kulturellen Hintergrund haben, erfolgreich umgesetzt. Es war für mich beeindruckend zu sehen, in wie vielen Bereichen die Caritas tätig ist und wichtige gesellschaftliche Probleme angeht, indem sie Randgruppen einen Rückhalt bietet.

Trotz der zahlreichen Einrichtungsbesuche blieb auch noch Zeit für Sightseeing. Wir erfuhren, dass die Regensburger Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, die Martinskirche in Landshut den weltweit höchsten Backsteinturm hat und in Ulm der höchste Münsterturm der Welt steht – wer hätte das gedacht! Zum Glück zählt mein Kollege Stefan Teplan, der die Begegnungsreise seit zehn Jahren betreut, zu den erfahrensten Stadtführern.

Eine Million Sterne bald auch in der Ukraine?

Nataliya Tkachenko, Iryna Pukhnyak und Zoryana Lukavecka
Bei der Aktion „Eine Million Sterne“ in Regensburg blieb den ukrainischen Kolleginnen (v. l.) Nataliya Tkachenko, Iryna Pukhnyak und Zoryana Lukavecka Zeit, um einen Moment innezuhalten und die Lichterstimmung zu genießen. Foto: Michael Vogl

Ich erfuhr außerdem vieles über die tägliche Arbeit der Kolleginnen in der Ukraine. Die meisten der Kinder und Jugendlichen, die in Einrichtungen der Caritas betreut werden, kommen aus äußerst prekären Lebensverhältnissen. Viele von ihnen sind Binnenvertriebene, die nach dem Ausbruch des bewaffneten Konfliktes in der Ost-Ukraine 2014 aus ihrer Heimat fliehen mussten. Da die Ukraine in diesem Jahr im Fokus der Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ stand, begleiteten wir die Aktion auf dem Bismarckplatz in Regensburg.

Bei der Veranstaltung ergriffen die Kolleginnen auf der Bühne das Wort und berichteten von ihrer Arbeit im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Der Solidaritätsgedanke der Aktion hat die Kolleginnen so stark beeindruckt, dass sie im nächsten Jahr auch in der Ukraine an der Aktion teilnehmen wollen. Mein Job als Praktikant war es währenddessen, als Moderator live von der Aktion in unserem Facebook-Stream zu berichten. Eine aufregende Erfahrung, die mir eine Menge Nervenstärke und Improvisationsvermögen abverlangte. Das Video zur Live-Schaltung ist unter www.einemillionsterne.de verfügbar.

Neue Eindrücke, spannende Begegnungen

Ich habe als Praktikant der Öffentlichkeitsarbeit von Caritas international, aber auch persönlich, neue Eindrücke gewonnen, spannende Begegnungen gemacht und viel über journalistische Arbeit „im Feld“ erfahren. Einige Worte auf Ukrainisch habe ich auch gelernt. Ich war zehn Tage lang als Organisator, Ansprechpartner, Übersetzer, Fahrer, Fotograf und Protokollant im Dauereinsatz und konnte mich in vielen unterschiedlichen Aufgabenfeldern erproben.
Die Begegnungsreise macht ihrem Namen alle Ehre, denn Begegnungen stehen zweifelsohne im Mittelpunkt. Am Ende dieser intensiven Zeit fiel allen Reisenden der Abschied sichtlich schwer. Deshalb beschlossen wir, in Kontakt zu bleiben. Auf Wiedersehen! Do pobacenja!

Gruppenfoto mit den Teilnehmern der Begegnungsreise.
Die Reisebegleiter Tim Dünkel und Stefan Teplan von Caritas international verabschieden am Freiburger Hauptbahnhof die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe der Caritas Ukraine, Nataliya Tkachenko, Zoryana Lukavecka und Iryna Pukhnyak. Foto: Tim Dünkel.

Jetzt, wo die Kolleginnen wieder abgereist sind, hört man täglich in den Nachrichten, dass sich die politische Situation zwischen der Ukraine und Russland wieder zuspitzt. Bei dem Gedanken wird mir noch einmal bewusst, unter welch schwierigen Bedingungen die Kolleginnen der Caritas dort arbeiten und wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht. Wir sollten es vielleicht noch häufiger wertschätzen.

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Autor: Tim Dünkel

Tim Dünkel studierte gymnasiales Lehramt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit den Fächern Erziehungswissenschaft, Spanisch und Geographie. Derzeit absolviert er ein Praktikum im Referat Öffentlichkeitsarbeit bei Caritas international.

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