Klimablog I Verteilungsgerechtigkeit jetzt!

Verteilungsgerechtigeit – so lautet das Schlüsselwort der Mitglieder von CIDSE, des internationalen Dachverbandes der katholischen Entwicklungsorganisationen, während der Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz in Katowice. Caritas international unterstützt den Verband auf der Cop24.

Handeln statt Reden, Umsetzen statt Abwarten

Der Verband CIDSE stellt die Frage, für welche Zwecke und in wessen Interesse Böden und Wälder bewirtschaftet werden. Auch macht sich CIDSE für einen Paradigmenwechsel stark, der nur aus der Mitte der Gesellschaft heraus die nötige Kraft gewinnen könne, um das Ruder herumzureißen. Handeln statt Reden, Umsetzen statt Abwarten, so die Devise der katholischen Entwicklungsorganisationen zur Klimapolitik dieser Tage.

CIDSE: Für eine solidarische Klimapolitik

Eine auf Gerechtigkeit basierende solidarische Klimapolitik könne nicht länger um den Kern der Sache herumschiffen und so tun, als wäre die Erderwärmung auch noch in fünf Jahren reine Verhandlungssache. Auf einer Vortragsveranstaltung wiesen die CIDSE Mitglieder auf vier wesentliche Punkte hin, die den Klimawandel befördern:

  • Die ungleiche Verteilung von Reichtum und damit der ungleiche klimaschädliche Konsum
  • Der “Landhunger” der fleischproduzierenden Agrarindustrie
  • Die Rodung der Wälder durch fehlgeleitete Energiepolitik und der damit einhergehende Verlust biologischer Vielfalt
  • Die Rolle des vorherrschenden Ernährungssystems

Was hat die weltweite Ungleichheit mit Klimagerechtigkeit zu tun?

Kevin Anderson von der Universität Manchester wagte, logische klimapolitische Konsequenzen aus der ungleichen Verteilung des weltweiten Reichtums zu benennen. Die Hälfte der klimaschädlichen Treibhausgase wird von einem Zehntel der Weltbevölkerung in die Atmosphäre entlassen. Das bedeute im Umkehrschluss, dass ein Drittel der Emissionen sofort eingespart werden könnten, wenn die Wohlhabenden ihren Konsum um die Hälfte reduzieren. Ein Wandel des energie- und klimazehrenden Lebensstils des wohlhabenden Teils der Bevölkerung sei der effizienteste Weg, kurzfristig die Erderwärmung zu drosseln. Was fehle, sei der politische Wille, dies klar zu benennen. Die zweite wichtige Säule sei mehr Energieeffizienz, die aber erst mittelfristig zum Zuge käme.

Es sind vor allem die Wälder, die das klimaschädliche Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. Doch diese natürlichen CO2-Regulatoren werden zunehmend zerstört. Kelsey Perlman von FERN (links) macht auf die schwindenden Waldbestände aufmerksam.

Wälder entziehen der Atmosphäre Klimagase – solange sie wachsen dürfen. Kelsey Perlman von der Nichtregierungsorganisation FERN machte darauf aufmerksam, dass der Druck auf die verbleibenden Lungen des Planeten in den letzten Jahrzehnten trotz zahlreicher Waldschutzprogramme weltweit zugenommen habe. In Brasilien seinen allein infolge von Naturkatastrophen in den letzten 20 Jahren 800 Millionen Hektar Wald zerstört worden. Waldbrände weltweit haben dieses Jahr Ruß und Klimagase in erheblichem Ausmaß freigesetzt. Die europäische Energiewirtschaft, die zunehmend auf Holz setzt, befördere in großem Umfang schnell wachsende Holzplantagen und den Export von Holz aus nord- und südamerikanischen Ländern nach Europa – klimapolitisch ist das ein Desaster. Die Widerstandsfähigkeit der verbleibenden weltweiten Waldökosysteme lasse insgesamt nach, die Böden verarmen und Arten sterben aus. Dabei sind es gerade die Wälder, die das klimaschädliche Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. Vertreibung und die Verletzung von Menschenrechten gehen nicht selten mit der Waldzerstörung einher.

Land für Fleisch oder Land für das Klima

Das Institut für Landwirtschaft und Handelspolitik (IATP) schaute auf die industrielle Tierhaltung und den Handel mit Fleischprodukten. Nur wenige Konzerne kontrollieren weltweit die Tierhaltung einschließlich der Futtermittelproduktion sowie den Handel mit Schweinefleisch, Geflügel und Rindfleisch. Doch diese Konzerne haben Zugriff auf riesige Landflächen, die einseitig und auf klimaschädliche Weise bewirtschaftet werden.

Die fünf größten Fleisch und Milch produzierenden Unternehmen würden mehr klimaschädliche Gase freisetzten, als die drei führenden Erdölförderunternehmen, erläuterte Shefali Sharma von IATP.

Eine akute Gefahr geht von der industriellen Tierhaltung auch für die Umwelt aus, wenn zum Beispiel bei einer Überschwemmung große Güllemengen auslaufen und das Wasser ganzer Landstriche kontaminieren. Shefali Sharma vom IATP machte zudem darauf aufmerksam, dass die industrielle Tierhaltung auf einer recht einseitigen Praxis basiere und damit selber extrem anfällig für die Folgen des Klimawandels sei.

Gesunde Nahrung für ein gutes Klima

Ein Lösungsansatz für diese vielschichtigen Probleme sieht Francois Delvaux von CIDSE in einer Landwirtschaft, die auf agrarökologischen Prinzipien basiert.

Das Land müsse wieder für gesunde Nahrungsmittel bewirtschaftet werden und nicht für steigende Profitraten privater Konzerne. Seine Stichworte sind Gemeinwohlökonomie, Degrowth, solidarische Landwirtschaft und regionale Kreislaufwirtschaft. Auch er bekräftigt, die Lösungen lägen auf der Hand, brauchten aber breite politische Unterstützung, um aus der Nische herauszukommen und einen Wandel zu ermöglichen.

Schließlich sei der Klimawandel nicht die einzige Krise, Hunger und Armut sind mit dem Klimawandel aufs Engste verknüpft. Die gute Nachricht: mit agrarökologischer Landwirtschaft  und einem anderen Lebensstils können alle drei Krisen angegangen werden.

Hier geht es zu weiteren Beiträgen zum Thema Klimawandel und Weltklimakonferenz.

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Autor: Martina Backes

(MB) Martina Backes, Biologin und Redakteurin, arbeitet als freie Mitarbeiterin für Caritas international. Meine Arbeit ermöglicht es mir, mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ins Gespräch zu kommen und Aufmerksamkeit auf ihre Schicksale zu lenken.

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