Klimablog I Halbzeit für die Klimapolitik

Lasst die Kohle im Boden! Das ist die zentrale Botschaft des diesjährigen Klimamarsches in Katowice – dem Herzen der Kohleregion Polens. Mit dem Protestmarsch gegen fossile Brennstoffe und für Klimaschutz setzten rund 3.000 Menschen ein hörbares Zeichen.

Banner mit Aufschrift
Banner auf dem Klimamarsch mit dem 1,5 Grad Ziel

Adressat der Klimabewegung waren die 197 Staaten, die derzeit in Katowice auf der Weltklimakonferenz tagen, ohne große Fortschritte vorzuweisen. Jedenfalls keine guten.

Kein guter Zwischenstand für die Klimapolitik

Während der Halbzeit der offiziellen Klimaverhandlungen am Samstag sind viele zivilgesellschaftliche Akteure enttäuscht, erschöpft, andere erhitzt. Gerade einmal knapp 30 Staatschefs sind anwesend, die anderen 170 Regierungen schickten Unterhändler. Das Feilschen um ein paar Emissionen mehr oder weniger, früher oder später, ist für sie eine nicht hinnehmbare Hinhaltetaktik. Die USA, die aus dem Abkommen aussteigen werden, blockierten dieses Jahr an entscheidender Stelle die Verhandlungen: Kurz vor der Halbzeit säten sie Missgunst, indem sie kundtaten, die Menschenrechte hätten im Klimaschutz nichts zu suchen. Dabei ist die vor 70 Jahren beschlossene allgemeine Erklärung der Menschenrechte ein Meilenstein der Geschichte. Nun scheint ihre Wichtigkeit zu verblassen.

Das Schneckentempo der Konsensfindung auf der Weltklimakonferenz hat die Proteste auf der Straße eher befeuert. Wacht auf! Schallte es durch die Innenstadt bis in die Verhandlungsräume. So manche offiziellen Beobachter der Zivilgesellschaft, die morgens noch in den Verhandlungsräumen saßen, genossen es sichtlich, sich auf der Straße Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen. Viele von ihnen kamen aus dem Globalen Süden. Die Aktivisten und Aktivistinnen der polnischen Anti-Kohle-Fraktion fühlten sich von der Solidarität der internationalen Gruppen getragen, gerade angesichts der großen Polizeipräsenz und zahlreichen Sondereinsatzkräfte.

Pilgern für den Klimaschutz

Die weltweite katholische Klimabewegung und der Verband der katholischen Entwicklungsorganisationen trafen auf dem Klimamarsch mit den Klimapilgern zusammen. Sie waren im Oktober in Rom aufgebrochen, andere in Bonn (Sitz des Klimasekretariats), und haben auf dem Weg nach Katowice hunderte von Klima-Geschichten gesammelt: aus Deutschland, Polen, Italien, Slowenien, Österreich, Tschechien und der Slowakei. Geschichten von Menschen, die vom Klimawandel betroffen sind oder die Auswirkungen an ihrem Wohnort mit Sorge beobachten.

Klimawissen weitergeben

Albert Lozada aus den Philippinen kam für den Klimamarsch im Oktober nach Rom. Nicht zum ersten Mal. Die Ideen, die er in den letzten Jahren auf drei Klimapilgerwegen gesammelt und in seinem Herkunftsland umgesetzt hat, sind beeindruckend: Solarschulen, die eine Gemeinde mit Strom versorgen, Studiengänge über grüne Energie, Abfallrecycling zur Energiegewinnung. Nun lernen die Leute in Europa von ihm, wie man sich als „Kohlefreie Gemeinde“ mit Energie selber versorgen kann. Und wie man politischen Druck ausüben kann oder Stromnetze in kommunaler Selbstverwaltung betreibt.

Das Wertvolle der Geschichtensammlung der Klimapilger ist genau das: Der Erfahrungsaustausch zwischen Menschen, die lokale Klimaschutzprojekte anpacken – auch wenn es unvorhersehbare Hürden zu bewältigen gibt. Die Solidarität und gegenseitige Unterstützung, wenn die Kraft fehlt. Sie tun also genau das, was die hohe Klimadiplomatie derzeit in Katowice nicht mit dem nötigen Tempo hinbekommt:  loslegen, auf Kreativität und gegenseitige Unterstützung vertrauen und nicht darauf warten, dass andere den ersten Schritt tun.

Frauen halten gemeinsam ein Banner
Klimagerechtigkeit braucht Gendergerechtigkeit – Frauen auf dem Klimamarsch in Katowice im Dezember 2018

Mehr zu den Debatten auf der Klimakonferenz 2018, der Cop24 in Polen, erfahrt ihr hier.

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