„Die Erde tanzt gerade“ – Indonesien nach dem Tsunami

Oft beweisen gerade Menschen mit besonders harten Schicksalen den größten Humor. So auch Radja Dhana, ein Kokosnussverkäufer, der mir am Strand von Banten auf der Insel Java begegnet, jener Region Indonesiens, die der Tsunami Ende Dezember schwer getroffen hat. Nachdem Radja eine frische Kokosnuss mit der Machete aufgeschlitzt hat und seine um ihn herum stehenden Kunden das Wasser ausgetrunken haben, schnitzt er mehrere Löffel aus Resten der Frucht und sagt zu uns: „Tut mir ja leid, dass ihr nur diese bekommt. Aber der Tsunami hat alle meine Löffel weggespült“, und lacht. Sein Scherz ist angesichts von über 400 Toten infolge der Katastrophe etwas makaber, doch ist nicht gerade Humor und Leichtigkeit das, was den Menschen in dieser schwierigen Situation ein wenig Normalität und Halt wiedergibt?

Trotz der schrecklichen Ereignisse im vergangenen Jahr, trotz des Verlusts von Familienmitgleidern und dem gesamten Hab und Gut begenen die Bewohnerinnen und Bewohner Indonesiens uns mit Freude und Herzlichkeit.
Trotz der schrecklichen Ereignisse im vergangenen Jahr, trotz des Verlusts von Familienmitgliedern und dem gesamten Hab und Gut begegnen die Bewohnerinnen und Bewohner Indonesiens uns mit Freude und Herzlichkeit.

Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche

Immer wieder werden die Einwohnerinnen und Einwohner Indonesiens, deren Heimat sich in direkter Nähe des sogenannten Feuerrings liegt, von Katastrophen wie diesen heimgesucht. Lioni Beatrik Tobing, eine lokale Kollegin von Caritas international, bringt die aktuelle Lage auf den Punkt: „Bei so vielen Katastrophen verlieren viele Menschen hier irgendwann den Überblick und die Erinnerungen an die eine überlagert die an die anderen.“

So sieht es immer noch in vielen Teilen der Inseln Sumatra und Java aus. Der Tsunami Ende Dezember 2018 hat mit seiner Wucht ganze Häuser mit sich gerissen.
So sieht es noch in vielen Teilen der Katastrophenregionen in der Straße von Sunda zwischen Sumatra und Java aus. Der Tsunami Ende Dezember 2018 hat mit seiner Wucht viele Häuser eingerissen.

Die Situation in den vergangenen Monaten sei so dramatisch wie lange nicht. Lioni drückt es so aus: „Die Erde tanzt gerade und viele fürchten, dass dies ein Anzeichen für ein kommendes Megaerdbeben ist.“ Erst im August  traf ein Erdbeben die Insel Lombok. Im September verwüsteten ein Erdbeben und ein Tsunami die Insel Sulawesi. Letzten Monat sorgte dann der Einsturz des Vulkans Anak Krakatau an der Sundastraße zwischen Java und Sumatra für einen Tsunami, den nicht einmal Experten kommen sahen.

Die Zerstörung ist immens. Der Wiederaufbau wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Geschichten von Leid, Erschöpfung und Hoffnung

Als Pressereferent geht es mir bei der aktuellen Reise mit Fotografin Bente Stachowske vor allem darum, den betroffenen Menschen Gehör zu verschaffen und mir ein Bild von den von Caritas international unterstützten Nothilfe- und Wiederaufbaumaßnahmen zu machen. Einige Berichte darüber werden in den nächsten Tagen und Wochen auf der Webseite von Caritas international zu lesen sein, während auf diesem Blog vor allem Platz für unsere persönlichen Eindrucke sein wird. Nach unserem Besuch im Westen der bevölkerungsreichsten indonesischen Insel Java werden wir einige Tage in und rund um die Stadt Palu in Sulawesi verbringen, bevor es für uns zurück nach Deutschland geht.

Unser erster Tag in der Region Banten, an der javanischen Westküste mit Blick auf den Osten Sumatras, war gefüllt mit zahlreichen Begegnungen und Eindrücken. Ausländer treibt es nicht viele an diesen Ort, weshalb man sich als „Bule“ schnell in einer riesigen Traube von interessierten Menschen wiederfindet. Viele von ihnen haben uns bereitwillig ihre Geschichte der Ereignisse vom 22. Dezember erzählt, als am späten Abend eine meterhohe Flutwelle ohne Ankündigung auf sie zurollte. Viele wurden von der Katastrophe vollkommen überrascht, manche buchstäblich aus ihrem Bett gespült.

Gemeinsam mit unserer lokalen Parnerorgansiation KUN versorgen wir die Menschen so schnell wie möglich mit dem Nötigsten. Mit einer mobilen Klink erreichen wir die Menschen mit unserer Hilfe, die sie am dringendsten brauchen.
Gemeinsam mit unserer lokalen Parnerorgansiation KUN versorgen wir die Menschen so schnell wie möglich nach der Katastrophe. Mit einer mobilen Klinik erreichen wir zum Beispiel die Menschen mit unserer Hilfe, die sie am dringendsten benötigen.

Trotz guter Vorbereitungen und einer großen Widerstandsfähigkeit treffen Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche die Menschen in Indonesien immer wieder hart. Die lokalen Partner von Caritas international stehen den Opfern der Katastrophe mit verschiedenen Projekten zur Seite. Zum einen verteilen sie Nahrungsmittel und Hygieneartikel, um die Grundbedürfnisse abzudecken. Zum anderen haben sie auch die Gesundheit der Betroffenen im Blick. Sie bieten beispielsweise psychosoziale Betreuungsangebote. Mit einer mobilen Klinik fahren sie zu Einrichtungen, in denen obdachlos gewordene Menschen oft auf engstem Raum zusammenleben.

Wie diese Hilfen genau aussehen, erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag.

Über den Autor: Holger Vieth ist Politikwissenschaftler und ehemaliger Agenturjournalist. Er ist seit 2014 bei Caritas international als Pressereferent tätig.

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