Flash mob und Plakate

Trotz Winter: keine Pause bei der Klimaerwärmung

Derzeit beschäftigen Kälteeinbrüche und starke Regenfälle die Werke der Not- und Katastrophenhilfe. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass der Klimawandel im Winter weniger zu Buche schlägt, als im spürbar heißen und trockenen Sommer in Europa.

So wurden in Peru Anfang Februar mehr als 8.000 Menschen von schweren Fluten betroffen. In Afghanistan leiden die Menschen aktuell unter der Kälte, doch knappe Trinkwasserreserven und eine Ernährungskrise in weiten Regionen des Landes erschweren seit Monaten das Leben hunderttausender Menschen. Hauptursache dafür sind lang anhaltende Dürren.

Erst kürzlich kamen besorgniserregende Klimadaten zutage, als 200 Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Forschung über die Auswirkungen des Klimawandels in Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, China, Indien, Myanmar, Nepal und Pakistan veröffentlichten. Wenn die Erhitzung unseres Planeten weiter fortschreitet, werden bis zum Ende des Jahrhunderts mindestens ein Drittel der Gletscher im Hindukusch-Himalaya abschmelzen, befürchten die Herausgeber der Studie vom Internationalen Zentrum für Integrierte Entwicklung in Bergregionen (ICIMOD)[i]. Hier lagern neben der Antarktis und Arktis die drittgrößten Eisvorräte der Erde. Diese Eismassen werden gerne auch als „dritter Pol“ bezeichnet. Sie speisen die wichtigsten Flüsse Asiens und sichern die Wasserversorgung von rund 1,9 Milliarden Menschen.

Schmelzende Gletscher …

Der Weltklimarat hatte letzten Oktober dringend geraten, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen. Selbst wenn das gelingt, werden die Temperaturen in den zentralasiatischen Gebirgen deutlich stärker ansteigen, prognostizieren die Wissenschaftler in ihrem erschütternden Bericht. Schmelzen die Gletscher, so ist damit die Wasserversorgung von Millionen Menschen gefährdet. Betroffen sind vor allem die Ärmsten in der Hindukusch-Himalaya-Region. Hier hat ein Drittel aller Bewohnerinnen und Bewohner schon heute nicht genug zu essen, Unterernährung ist weit verbreitet.  Wenn nur ein Drittel der Gletschermassen in diesem Gebirgssystem verloren gehen, dürfte das eine humanitäre Katastrophe auslösen.


“Wir haben aufgrund der Dürre nicht genug Wintervorräte anlegen können. Bis zum Frühling werden wir die Tiere verkaufen müssen, um uns Kartoffeln oder Reis zu kaufen”, erzählt uns Amena Hussain. Sie ist Bäuerin im zentralen Hochland Afghanistans. Die Caritas unterstützt sie u.a. mit Lebensmitteln. Hier erfahren Sie ihre ganze Geschichte. Foto: Sybille Mani / Caritas international

… und drohende humanitäre Katastrophen

Die Verantwortung für dafür tragen vor allem diejenigen, die am meisten zur Erderwärmung beitragen. Umso dringender ist es, dass Länder wie Deutschland klimafreundlich wirtschaften und ihr jährliches Emissionsbudget von zwölf Tonnen klimaschädlichem Kohlendioxid pro Person reduzieren. Von den selbst gesetzten Klimazielen ist Deutschland allerdings recht weit entfernt – die Prognosen fürs Jahr 2020 liegen acht Prozentpunkte unter dem angestrebten Ziel.[ii] Die Verstromung der Kohle trägt als besonders klimaschädliche Energiegewinnung viel dazu bei.

Auch der von der Kohlekommission[iii] empfohlene dreistufige Fahrplan für eine „gesicherte schrittweise Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung“ wird das Ruder kaum herumreißen können. Erst Ende 2038 soll die Kohleverstromung beendet werden, also in zwei Jahrzehnten.[iv]

Warum so lange warten?

Befürchtet wird einerseits, dass die Strompreise mit dem Ausstieg steigen – daher der zögerliche Zeitplan. Doch so verfehlt der deutsche Kohleausstiegsplan die Ziele des Pariser Klimaabkommens. Wenn der Energiesektor – und damit die Kohleverstromung – nicht genügend Emissionen einspart, werden andere Sparten umso mehr Emissionen mindern müssen, um das Klimaziel zu erreichen. Vor allem der Verkehrssektor und das Gebäudemanagement sind hier gefragt, die Kosten würden also höchstens verschoben.

Der über 300 Seiten starke Bericht der Kohlekommission kann als nationaler Interessensausgleich betrachtet werden. Das Ergebnis ist ein minimaler Konsens der unterschiedlichen Interessen des Klima- und Umweltschutzes einerseits und der Kohleindustrie andererseits. Die Menschen, die von der Erderwärmung im Globalen Süden besonders stark betroffen sind, wurden nicht gefragt.

Die Kosten werden verschoben

Ihre Interessen mitzudenken, ist aus humanitärer Sicht aber geboten. Zum einen, um weitere Katastrophen wie die vorhergesagten Gletscherschmelzen in der Hindukusch-Himalaya-Region zu begrenzen und um den “Wasserturm Asiens” für die 250 Millionen Menschen, die von ihm leben, zu erhalten.

Zum anderen, weil sich Klimaschutz für Mensch und Umwelt rechnet. Denn die humanitären Katastrophen, die mit einer weiteren Belastung der Atmosphäre mit Kohlendioxid durch weitere zwei Jahrzehnte Kohlestrom in Deutschland drohen, kosten Leben und sind wesentlich kostspieliger als ein subventionierter Ausstieg aus dem Geschäft mit den schwarzen und braunen Briketts. „Jedes Zehntel Grad Klimaerwärmung kostet Leben“, warnte Patricia Espinosa, die Generalsekretärin der UN-Klimasekretariats, erst vergangenen Dezember auf dem Weltklimagipfel.

Der Klimaschutz-Bummel-Bericht

Die Bundesregierung wird, wie Anfang Februar 2019 offiziell bestätigt[v], ihre Klimaziele verfehlen und damit weiter zur weltweiten Klimakrise beitragen. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen und Institutionen selbst Verantwortung übernehmen und ihr Handeln möglichst klimaneutral gestalten.

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels haben sich Caritas-Einrichtungen, Gemeinden und Erzdiözesen große Ziele gesetzt und wollen auf lange Sicht klimaneutral werden. Durch Energiesparen und den Verzicht auf energieaufwändiges Handeln lassen sich viele Treibhausgase vermeiden. Allerdings kommt auch ein Hilfswerk wie Caritas international nicht ganz ohne Energieverbrauch aus. Um dennoch klimafreundlich zu handeln, können nicht vermeidbare Emissionen ausgeglichen werden. Der Deutsche Caritasverband mit seinem Hilfswerk Caritas international kompensiert ab sofort den eigenen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß durch Zahlungen an die Klima-Kollekte. Als neuer Gesellschafter dieses kirchlichen Kompensationsfonds wird er eigene Klimaschutz-Projekte in Entwicklungsländern einbringen und umsetzen.


Die neue App der Klima-Kollekte macht es einfach, den eigenen CO2-Verbrauch zu berechnen.
Die App bietet zudem einen Überblick über die nachhaltigen Klimaschutzprojekte der Klima-Kollekte. Auch Carias international kompensiert hier Reisen  https://www.caritas-international.de/wasunsbewegt/dossierthemen/umwelt-enzyklika/caritas-gesellschafter-klima-kollekte

Klimagase vermeiden – verringern – kompensieren

Die neue kostenlose App der Klima-Kollekte (erhältlich im Google Play Store und für Apple-Geräte im App Store) bietet eine zusätzliche Möglichkeit mitzumachen. Sie ermöglicht Verbänden, Einrichtungen und Privatpersonen, den eigenen CO2-Ausstoß zu reflektieren, klimafreundliche Verkehrsmittel zu finden und im letzten Schritt unvermeidbare Klimagase zu kompensieren. Denn heute klimafreundlich zu handeln, schont Ressourcen künftiger Generationen.

Fussnoten


[i] http://www.icimod.org/

[ii] Das Bundeskabinett hat Anfang Februar 2019 den Klimaschutzbericht 2018 gebilligt. Demnach wird Deutschland im Jahr 2020 voraussichtlich rund 32 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990. Deutschland hatte sich für 2020 ursprünglich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Für 2030 gilt ein Ziel von 55 Prozent. Diese Ziele beruhen auf EU-Zielen zum Klimaschutz und sollen zu einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad beitragen. Um 1,5 Grad anzupeilen, wie im Pariser Abkommen vereinbart und vom Weltklimarat erneut empfohlen, müssen alle Staaten beim Klimaschutz ihre Anstrengungen noch einmal steigern.

[iii] Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ hat die Aufgabe, der Bundesregierung den Weg zu einem sozialverträglichen Kohleausstieg aufzuzeigen. Im Januar wurde der 336 Seiten umfassende Bericht vorgelegt.

[iv] Immerhin beinhaltet der Plan, die ältesten und schmutzigsten Kraftwerke in Nordrhein-Westfahlen im Umfang von 3.000 Megawatt „stückweise von jetzt bis 2022“ vom Netz zu nehmen. Umweltverbände wie der DNR und der BUND hegten im Februar den Verdacht, dass diese Vorschläge politisch nicht durchgesetzt werden.

[v] https://www.bmu.de/pressemitteilung/kabinett-billigt-klimaschutzbericht-2018/

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