Zwischen Himmel und Hölle

Beira/Mosambik, 31. März. Noch wirkt es, als könnte man den Himmel betreten. Im nächsten Moment, kurz nach Durchfliegen der Wolkendecke, sind die Spuren des Zyklon Idai überdeutlich: kleinere und größere Seen bedecken die Erdoberfläche.

Sie waren durch die massiven Überschwemmungen insbesondere in der Region Sofala seit dem 15. März entstanden. Riesige Wassermassen – für die Menschen bedeuten sie derzeit die Hölle auf Erden. Unser Flugzeug setzt zum Anflug auf Beira an.

Anflug auf Beira am 31. März: Zahlreiche Häuser sind ohne Dach. Die Wasserflächen erhöhen das Risiko von Malaria und Infektionen. Foto: Ingo Steidl

Stadt ohne Dächer

Kurz von der Landung zeigt sich, warum die Hafenstadt Beira in den letzten Tagen von ihren Einwohnern in ‚Cidade sem telhos‘ umgetauft wurde, in „Stadt ohne Dächer“.  Beim Anflug auf die Landebahn wird klar, dass kaum ein Haus den Wirbelsturm unbeschadet überstanden hat.

„Wir haben ihn einfach unterschätzt. Doch als gegen Abend (am 14.3) die ersten Wellbleche durch die Lüfte flogen, wurde uns schnell klar, dass dieser Sturm nicht einer von vielen sein wird“, erzählt uns Lino Agostinho Miguel von der Caritas Beira als erstes, als er uns am Flughafen abholt. Auch sein Haus nahm Schaden, doch seine Familie ist wohl auf.

In der Tat: Idai war kein gewöhnlicher Sturm. Das erkennt man schon an den Massen von Paketen, die auf dem Flughafengelände bewegt werden, an den vielen Helikoptern, die durch die Luft schwirren. Und nicht zuletzt an der Flughafenhalle, die speziell für internationale Hilfsorganisationen notdürftig hergerichtet wurde. Was für ein Glück, inzwischen funktioniert hier das Internet wieder.

Das Ausmaß der Katastrophe nach dem Wirbelsturm Idai

Das ist längst noch nicht überall in Beira der Fall. Doch scheint in der Stadt hier und da wieder ein wenig Normalität in den Alltag der Menschen zurückzukehren. An manchen Häusern wird gehämmert und repariert, anderswo werden Trümmer und Äste an die Straßenränder verfrachtet. „Von ein paar Tagen sah es hier noch ganz anders aus“, berichtet Fabrizio Graglia vom Caritas- Partner Esmabama. Unzählige entwurzelte Bäume, umgeknickte Licht- und Strommasten erinnern an das Bild der Verwüstung kurz nach dem tödlichen Wirbelsturm. Auch die kleinen Zeltsiedlungen der Menschen, die vor den Wassermassen nach Beira geflüchtet  sind, zeugen vom Ausmaß der Katastrophe. Von einer großen Kirche, die wir auf dem Weg zu unserer Unterkunft passieren, steht nur noch das Gerüst.

Die Reste einer Kirche – mitten in Beira: Der Sturm riss das Dach weg, es bleibt nur die Konstruktion. Orte wie diese sind gefährlich, das einsturzgefährdet. Foto: Ingo Steidl

Viel mehr Kopfzerbrechen bereitet Fabrizio die Lage im Umland von Beira. Bei unserem Treffen am Nachmittag für die weitere Planung der Nothilfe in den nächsten Tagen und Wochen merkt  man Fabrizio an, dass er seit Tagen kaum ein Auge zugemacht hat. Doch er will keine Zeit verlieren und nimmt sogar während der Besprechung wichtige Anrufe entgegen.

Die Kollegen Fabrizio Graglia und Lino Agostinho Miguel bei einem Planungstreffen bei der Caritas in Beira. Foto: Ingo Steidl

Auf einer Karte zeigt er uns die Projektstandorte von Esmabama. Die Organisation unterstützt seit vielen Jahren Gemeinden im ländlichen Raum, unter anderem mit Gesundheitsstationen, Schulen und landwirtschaftlichen Programmen. Gut 50.000 Menschen im Umfeld der Missionsstationen der Organisation profitieren direkt oder indirekt von ihren Angeboten. Doch Idai hat sie um Jahre zurückgeworfen. Zu groß sind die durch Sturm und Überschwemmungen entstandenen Schäden. In Estaquinha zum Beispiel wurden sämtliche Ernten zerstört. Denn die Getreidelager fielen dem Zyklon zum Opfer. Damit werden  die Menschen dort noch lange von Hilfe abhängig sein.

Trinkwasser und Hilfsgüter werden mit Helikoptern und Booten verteilt

Unsere Hilfe in Mosambik

Am schlimmsten getroffen hat es die Gemeinde Barada, erklärt Fabrizio. Aufgrund der großflächigen Überflutung der Flusses Buzi ist Barada auf dem Landweg momentan praktisch nicht mehr erreichbar. Selbst ohne die Wassermassen seien die Straßen so schlecht, dass ein Jeep nach spätestens zwei Jahren Betrieb verschlissen ist. Zehn Tage mussten die Menschen ohne Essen und sauberes Trinkwasser ausharren. Dann konnte Esmabama erste Nahrungsmittelpakete über einen Helikopter abwerfen lassen. Organisiert wurde die Hilfe in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Inzwischen gelingt es Esmabama mit finanzieller Unterstützung von Caritas international, die Menschen über Boote von Beira aus notdürftig zu versorgen, mit Maismehl, Reis, Bohnen, Milchpulver und Trinkwasser. Fabrizio schätzt, dass diese ‚Seebrücke‘ noch mindestens zwei Monate Bestand haben wird und muss, da sich die Wasserstände nur sehr langsam zurückziehen. Mit der schlechten Trinkwasserversorgung verschlechtert sich die Hygienesituation. In einigen Gebieten wurden bereits erste Cholera-Fälle gemeldet. Daher wird morgen ein Boot wichtige Medikamente anliefern. Wir werden die Mitarbeiter von Esmabama dabei begleiten.

Ingo Steidl ist zur Zeit in Mosambik unterwegs zusammen mit Jutta Herzenstiel, Referentin für Mosambik bei Caritas international. Sie stehen für Medienanfragen zur Verfügung, Kontakt über Holger Vieth, 0761 – 200 514

Interview mit Ingo Steidl am 2.4.2019 direkt aus Beira beim MDR: hier nachhören

31. März, Beira/ Mosambik    

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