Vier personen zu Fuß in der vom Wirbelstrum gezeichneten Landschaft

“Wir lassen niemanden zurück”

Auf dem Markt des Viertels Praia Nova in Beira herrscht bereits reger Betrieb, als wir morgens um acht vom Fahrer unserer Partnerorganisation dort abgesetzt werden. Die kleine Strecke von Verkaufsständen am Strand wirkt unübersichtlich. Direkt neben dem Treiben erwarten uns drei jugendlichen Kapitäne auf einem Boot. Noch kurz die Schuhe aus, um die ersten Meter zum Boot durchs Wasser zu waten, dann Schwimmwesten, Trinkwasser und einige wichtige Medikamente verladen – und schon legen wir ab.

Wenn das Boot zur Lebensader wird

Mit an Bord ist der Arzt Omar Ben Yessef Garfia, der seit wenigen Tagen die Hilfsorganisation Esmabama in medizinischen Belangen berät und unterstützt. Neben ihm sitzt Jucuno Chtio, ein Mitarbeiter des „Instituto National de Saude“, dem mosambikanischen Gesundheitsministerium. Es herrscht eine gewisse Anspannung im Boot. Denn kein Besatzungsmitglied weiß genau, was uns an unserem Zielort, der Missionsstation in Barada, erwartet. Klar ist nur das: Zu dieser Gemeinde in der Nähe des Buzi-Flusses ist aufgrund der Überschwemmungen seit dem Wirbelsturm jeglicher Zugang über den Landweg blockiert. Außer Esmabama scheint sich niemand ernsthaft für die rund 1.500 Menschen in Barada zuständig zu fühlen. Doch die Organisation nimmt ihr Motto ernst: „Niemand wird zurückgelassen“.  Die etwa zweistündige Bootsüberfahrt ist derzeit die Lebensader für die isolierte Siedlung.

„Wir müssen heute unbedingt herausfinden, ob es bereit Fälle von Cholera gibt“, erklärt uns der spanische Arzt Garfia. Hierfür hat Chitio vom Gesundheitsministerium ein Cholera-Testset mitgebracht. „Denn erst, wenn die Proben im Labor untersucht wurden und eindeutig nachgewiesen wird, dass es sich definitiv um Cholera handelt , können weitere Schritte eingeleitet werden“, so Chitio. In anderen von den Überschwemmungen betroffenen Gebieten gibt es bereits bestätigte Fälle von Cholera. Die Tests seien Teil der Cholera- Kampagne, die vom Gesundheitsministerium durchgeführten und von der Weltgesundheitsorganisation finanziert wird, ergänzt Citio. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, wie beschwerlich sich sein heutiger Einsatz in Barada gestalten wird.

Dem Griff der Cholera vorausgeeilt

Nach gut zwei Stunden legen wir am Strand nahe Barada an. Nahe heißt, uns steht ein etwa einstündiger Fußmarsch bevor. Wir bahnen uns, samt Equipment, den Weg durch das sandige Gelände mit umgeknickten Palmen und Wasserlachen. Bei gut 30 Grad Celsius erscheint die Distanz endlos. Als wir einem Bewohner der Siedlung begegnen, ist es bis zur Missionsstation von Esmabama nicht mehr weit. Erste Gebäude werden sichtbar – und damit das Ausmaß der Schäden, die der Wirbelsturm Idai hier verursacht hat.

„Er hat uns sehr schlimm erwischt“, berichtet Mazunga Antonio Gundana, der Direktor der Missionsstation. Er ist sichtlich ergriffen und deutet auf die Einrichtungen der Missionsstation. Teilweise sind nur  Ruinen geblieben. „Die größten Schäden hat unsere Schule erlitten, die Wohnblöcke unserer Internatsschüler und die Bäckerei“.

Engpässe bei der medizinischen Versorgung

Ein kleines Glück im Unglück: Die Gesundheitsstation blieb weitgehend intakt. Sie dient nun auch für die Bewohner der benachbarten Siedlungen als Anlaufstelle, deren eigene Gesundheitsstation durch den Sturm völlig zerstört wurde. „Wir hatten in den letzten Tagen rund 150 Patientinnen und Patienten. Die allermeisten kommen mit Malaria“, erzählt die Leiterin der Gesundheitsstation. Sie schläft seit dem Wirbelsturm mit ihren zwei Kindern in der Entbindungsstation, weil auch ihr Haus stark beschädigt wurde.

D. Garfia und Chitio sind damit beschäftigt, mit dem Arzt der Gesundheitsstation die dringendste Bedarfe der Klinik zu ermitteln. Zugleich erkundigen sie sich nach Patienten mit potentiellen Cholera- Symptomen.

Fortsetzung der Reportage aus Barada (Mosambik) folgt

Ingo Steidl, 3. April 2019

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