zerstörte Häuser

Zeugnisse der Verheerung

Nach dem Besuch von Mundula geht es weiter zur Missionsstation Estaquinha. Kaum angekommen, beschleicht uns der Eindruck, der Wirbelsturm wäre hier spurlos vorüber gegangen.

Missionsmanager Manuel Marques Joao bestätigt, dass es im etwas höher gelegenen Missionsgelände vor allem kräftig geregnet und gewindet hat, der Sturm jedoch nur wenige größere Schäden hinterlassen hätte. „Doch weiter unten am Ufer des Buzi-Flusses stand das Wasser meterhoch“, berichtet Marques. Viele Menschen dort haben alles verloren.

Kurz darauf treffen wir zwei Angestellte der Mission in Estaquinha. Sie stammen aus dieser nur wenige Kilometer entfernten Gegend.  Zusammen mit Antonio Manjozu und Luis Maitiguere  fahren wir mit dem Jeep 20 Minuten und kommen vor einem Schulgebäude zum Halt. Auch wenn das Wasser hier bereits wieder abgeflossen ist, die Lehmreste an der Schulfassade zeigen, bis wo das Wasser noch bis vor wenigen Tagen stand – die Hochwasserlinie liegt über Augenhöhe.

Schule bei der Missionsstation Estaquinha. Auf dem Dach dieses Gebäudes harrten die Menschen aus der Siedlung tagelang aus. Der Schlamm an den Hauswänden reicht bis über Augenhöhe.

„Viele hier haben sich auf dem Schuldach vor den Fluten gerettet“, erzählt Antonio. Er habe es nicht rechtzeitig dorthin geschafft. Die Strömung war bereits zu stark, so dass sich Antonio und seine Familie auf einen Mangobaum rettete. Mit zwei weiteren Familien harrte er dort drei Tage aus, ehe die Flut nachließ.

Zeugnisse der Verheerung in den Siedlungen entlang des Buzi Flusses

Eine Viertelstunde Fußweg von der Schule entfernt liegt das Haus von Luis. Der Anblick seiner völlig verschlammten Hausruine könnte trostloser kaum sein. Einige hundert Meter weiter stehen wir wenig später vor den kaum noch erkennbaren Überresten des Hauses von Antiono. „Hier habe ich zehn Jahre gelebt“, ringt Antonio um Worte. Wir halten inne, die Zeit steht einen Moment still.

Idai hat den Menschen im Tal buchstäblich alles genommen

„Einige Nachbarn“, erzählt uns Antonio noch, „haben sogar Familienangehörige verloren. Andere werden noch immer vermisst.“ Die Bilder der Verwüstung drehen sich in unseren Gedanken – auf der holprigen Rückfahrt  hämmern diese visuellen und emotionalen Eindrücke mit jedem Schlagloch im Kopf. Antonios und Luis Familie verweilen jetzt in einer Sammelunterkunft.

Von der Flut nach dem Wirbelsturm Idai zerstörte Wohnhäuser.

Und dann wieder einer dieser skurrilen Momente, die sich wie ein roter Faden durch meine Reise ziehen: Als wir – nun doch bei Dunkelheit  – Richtung Beira rollen,  hat mein Handy kurzzeitig Empfang.  Whatsapp- Nachrichten aus der Heimat laufen wie eine Parallelwelt über den Screen. Das Bild eines voll besetzten Fußballstadions etwa, Grüße aus dem Freundeskreis, Bilder vom Frühling. Sie berührt mich, diese widersprüchliche Gleichzeitigkeit der Tragödie in der abgeschnittenen Siedlung einerseits und der über den halben Planeten vernetzte Welt der Kommunikation andererseits.

Ingo Steidl, 3. April 2019   

Ingo Steidl ist zur Zeit in Mosambik unterwegs zusammen mit Jutta Herzenstiel, Referentin für Mosambik bei Caritas international. Sie stehen für Medienanfragen zur Verfügung, Kontakt über Holger Vieth, 0761 – 200 514

Interview mit Ingo Steidl vom 2.4.2019 direkt aus Beira mit dem MDR: hier nachhören

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