So geht Inklusion in der Ukraine

Die Caritas Fulda und die Caritas Iwano-Frankiwsk im Westen der Ukraine verbindet seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft. Ein Besuch der Caritas Fulda bei den Kolleginnen und Kollegen macht unser gemeinsames Ziel erneut deutlich: uneingeschränkte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben. Der Weg dahin ist weit, aber nicht unmöglich.

Zum zehnten Mal reisten wir, eine Delegation aus Fulda, in die West-Ukraine, um unseren Caritas-Schwesterverband Ivano-Frankivsk zu besuchen. Diesmal sind sechs Personen mit dabei: zwei hauptamtlich Mitarbeitende, zwei Mütter von Menschen mit Behinderung, eine ehemalige Weltwärts-Freiwillige, die bereits ein Jahr in der Ukraine verbracht hat, und ich als Pressereferent der Caritas Fulda.

Von Betreuungsangeboten zu Selbsthilfegruppen


Die Zusammensetzung der Delegation deutet es an – wir alle arbeiten auf dem Gebiet der Behindertenhilfe mit der ukrainischen Caritas zusammen. Zu Beginn der Projektarbeit ging es darum, den Ukrainerinnen und Ukrainern beim Ausbau einer Werkstatt und der Etablierung von Betreuungsangeboten für junge erwachsene Menschen mit Behinderung zu helfen. Inzwischen steht der Ausbau von Selbsthilfestrukturen im Vordergrund. Dafür konnten wir sogar Mittel von Aktion Mensch gewinnen. Das binationale Projekt wird von ihr großzügig finanziell unterstützt. 

Zunächst wurden dabei in den vergangenen Jahren Selbsthilfegruppen von Menschen mit Behinderung und ihren Familienmitgliedern im Bistum Iwano-Frankiwsk aufgebaut und begleitet. Nun wird diese Arbeit auf die Bistümer Kolomyja und Czernowitz übertragen. Die Caritas Iwano-Frankiwsk stellt dazu eine Koordinatorin bereit.


Eine Selbsthilfegruppe in den Startlöchern


Unser Besuch in der West-Ukraine hat uns bereits in den ersten 48 Stunden mit vielen Menschen und ganz unterschiedlichen Projektgruppen zusammen geführt. Zuerst waren wir bei der Selbsthilfegruppe von Lysets. Eine noch kleine Gemeinschaft in den Startlöchern, aber schon in der Lage, viel zu bewegen. Die Fuldaer machten mit und schnibbelten fleißig Papierherzchen für das gemeinsame große Herz der Freundschaft.

Das gemeinsame Herz der Freundschaft
Selbsthilfegruppe von Lysets: Das gemeinsame Herz der Freundschaft

Von der neuen Gruppe profitieren die Menschen mit Behinderung und ihre Familien gemeinsam: Beschäftigung, Wertschätzung und Gemeinschaft bringen alle Beteiligten voran.

Die Fuldaer Delegation traf auch mit der Angehörigengruppen Iwano-Frankiwsk zusammen. Hier hatte man gerade einen neuen Elternbeirat gewählt. Ihr können wir nur wünschen: Viel Glück für die weitere Arbeit! Ihr seid auf gutem Weg.

Etablierte Selbsthilfegruppe in Nadwirna

Ein weiterer Besuch führte uns nach Nadwirna im Bistum Kolomyja. Hier hat das Seelsorgeteam um den Ortspfarrer große Pläne fürdie dortige Selbsthilfegruppe, die ist schon seit einiger Zeit etabliert ist.

Unser Besuch bei der etablierten Selbsthilfegruppe in Nadwirna

Eltern und Menschen mit Behinderung treffen sich zwei Mal pro Woche. Einmal mit Caritas-Betreuung, einmal allein. Gemeinsame Spiele, Basteln, sportliche Ertüchtigung und vieles mehr sorgen für Abwechslung und Struktur im Alltag der Beteiligten. Doch es sind nicht nur die Angebote und die Begegnungen, die den Teilnehmenden wichtig sind. Es sind vor allem die Gemeinschaftund die Wertschätzung, die die Selbsthilfegruppe zu einem echten Mehrwert werden lässt.

In Nadwirna, einer kleinen Stadt mit 25.000 Einwohnern, hat sich durch die neue Gemeinschaft schon viel getan. Viele Menschen nehmen die Selbsthilfegruppe wahr und wollen mehr über sie erfahren und helfen – als Freiwillige oder auch als Sponsoren, um die Arbeit für die Zukunft abzusichern. 

Für Teilhabe kämpfen!

Die Caritas-Delegation aus Fulda konnte die Heimreise mit einem sehr guten Gefühl antreten: Die an den Projekten beteiligten Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen haben mit Unterstützung der Caritas an Selbstbewusstsein gewonnen. Unsere Ziele für die Zukunft sind klar, auch wenn der Weg dorthin noch weit ist: Es geht darum, Menschen mit Behinderung in der Ukraine gleiche Chancen und die uneingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Vielerorts gibt es inzwischen Modelle, die den Boden dafür ebnen und Frauen und Männer mit Einschränkungen für ihre Rechte sensibilisieren und ihre Begabungen fördern.

Die gemeinsamen deutsch-ukrainischen Anstrengungen der Caritas müssen weiter gehen. Beim Abschlussgespräch für diesen Besuch in Iwano-Frankiwsk waren sich beide Seiten einig: Insgesamt ist die Projektentwicklung auf sehr gutem Wege. In diesem Sinne: До побачення – Auf Wiedersehen in Iwano-Frankiwsk oder in Fulda.

Mehr über die Projekte von Caritas international zum Thema “Teilhabe bei Behinderung” findet ihr hier.


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