Dialogreise Caritas-international

Ukraine Teil 1: Ernst und fremd, schön und faszinierend

Sie führt in einen Teil Europas, von dem sich die Scheinwerfer der Welt abgewandt haben: Die diesjährige Dialogreise von Caritas international in die Ukraine.

Dietmar Kattinger, Diplom-Theologe und Journalist, ist seit zwanzig Jahren Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg mit Sitz in Vechta. Aktuell begleitet er eine Caritas-Reise in die Ukraine und berichtet hier über seine Erfahrungen mit Land und Leuten.

Die Wünsche klingen anders vor dieser Reise , sind besorgter . Eine gute Hin- und eine gute Rückreise betont ein Kollege. Und ich selbst witzele manchmal: Es sei nicht Österreich, wohin ich fliege. Auch die Reisehinweise von Caritas international sind diesmal umfangreicher als sonst, mailt die Freiburger Kollegin. Keine Militäranlagen fotografieren, Demonstrationen meiden und so weiter.

Zwei verschiedene Gesichter der Ukraine

Und tatsächlich: Der erste Eindruck scheint die Sorgen zu bestätigen. Nur ernste Gesichter am Flughafen in Kiew. Viele Uniformen. Viele Soldaten. Kaum ein Lächeln. Der Taxifahrer im relativ neuen, hellblauen VW-Bulli fährt nur auf der linken Autobahnspur. Tempolimit? Wenn, dann als Untergrenze. Als hätte er entlang den riesigen Wohnblocks der Drei-Millionen-Stadt Kiew keine Zeit für solche Spielereien. Als ginge es in dem ewig umkämpften Land um anderes, als darum, ein paar Gäste vom Flughafen ins Hotel nahe dem Majdan zu bringen.

Taxi in der Ukraine
Nur auf der linken Spur unterwegs: Mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel nahe dem Majdan entlang an großen Wohnblocks der Drei-Millionen-Stadt Kiew.
Kiew aus dem Auto

Dann zeigt sich ein zweites Gesicht der Ukraine, dem „Grenzgebiet“, wie das Land wörtlich übersetzt heißt: Die Freundlichkeit und Herzlichkeit vieler Menschen, etwa des ukrainischen Caritas-Präsidenten Andrij Waskowycz und der Generalsekretärin Olga Chertilina.

Yacht oder Brot?

Und wie ist das mit arm und reich in der Ukraine, frage ich die Ärztin Chertilina.  Zehn Prozent Reiche gebe es im Land, antwortet sie, aber eben auch neunzig Prozent Arme. Mittelschicht: Fehlanzeige.

Und dass die zehn Prozent nahezu Depressionen bekommen, weil sie nicht wissen, wo sie ihre Yacht parken sollen. Und es von den neunzig Prozent welche gibt, die wiederum nicht wissen, wo sie die Scheibe Brot für den nächsten Tag herbekommen sollen.

Was es auch nicht besser macht: Die Kinder der Reichen gehen in England oder Österreich auf Edelschulen und können sich das mit der Scheibe Brot überhaupt nicht vorstellen.

Weg von der „Wodka-Tradition“

Und noch eine ernst-heitere Anekdote von diesem Abend: Andrij Waskowycz, Präsident der Caritas Ukraine, ist froh, dass das Land übergeht von der „Wodka-Tradition“ zur „Bier- und Wein-Tradition“. Warum? Weil eine Wodkaflasche immer leergetrunken wurde, sobald sie offen war. Egal, ob von einem oder zwei oder fünf Trinkern. Und mit der zweiten Flasche ging das genauso. Oder mit der dritten. Mit Folgen, die sich jeder ausmalen kann.

Sechs Stunden Ukraine: ernst, fremd, schön, faszinierend, gastfreundlich, kulinarisch wunderbar.


Autor: Dietmar Kattinger, Diplom-Theologe und Journalist, seit zwanzig Jahren Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg mit Sitz in Vechta.

Mehr über die Arbeit von Caritas international, dem Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, in der Ukraine könnt ihr hier nachlesen.

Mehr Blogbeiträge aus der Ukraine:
Uraine: Teil 2 – Gesichter eines vergessenen Landes
Ukraine: Teil 3 – Von Verliebtheit und Todesschwadronen
Ukraine: Teil 4 – Vertrieben im eigenen Land

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