Antonia Pawlow steht an der staubigen Straße. Sie wirkt unscheinbar in ihrem rosafarbenen Pulli und den nach hinten zusammengebundenen Haaren, steht still vor ihrem Gartentor. Auf einmal ist klar, dass sie es ist, die wir besuchen wollen. Sie geleitet uns den leichten Abhang hinunter in das, was sie ihr zu Hause nennt.

Ukraine Teil 4: Vertrieben im eigenen Land

Es ist still heute im Bus. Keine Scherze, kein Flachsen der Teilnehmenden der Ukraine-Dialogreise. Die Erlebnisse beim Stopp auf der Fahrt von Dnipro nach Odessa müssen auch altgediente Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter erstmal verdauen.

Antonia Pawlow* steht still vor ihrem Gartentor an der staubigen Straße. Sie wirkt unscheinbar in ihrem rosafarbenen Pulli und den nach hinten zusammengebundenen Haaren. Auf einmal ist klar, dass sie es ist, die wir besuchen wollen. Sie geleitet uns den leichten Abhang hinunter in das, was sie ihr Zuhause nennt.

Antonia Pawlow* steht an der staubigen Straße. Sie wirkt unscheinbar in ihrem rosafarbenen Pulli und den nach hinten zusammengebundenen Haaren, steht still vor ihrem Gartentor. Auf einmal ist klar, dass sie es ist, die wir besuchen wollen. Sie geleitet uns den leichten Abhang hinunter in das, was sie ihr zu Hause nennt.

Die Augen auf den Boden gerichtet, damit ich nicht umknicke auf dem unebenen Boden. Den Kopf leicht eingezogen durch die niedrige Türe. Vorbei an etwas, das ich als Küche erahnen kann. Es scheint so, als könnte man hier weder leben noch kochen. Doch Antonia Pawlow meistert ihren Alltag hier seit Jahren.

Antonia Pawlow ist von jetzt auf gleich aus ihrer Heimat geflohen. Mitnehmen konnte sie kaum etwas. Seitdem lebt sie in diesem heruntergekommenen Haus. Ihren Traum gib sie trotzdem nicht auf.

Schließlich rein in den Raum mit den beiden Betten – heute, wo Besuch kommt, sind sie abgedeckt mit Tagesdecken. Die dünnen Glasfenster mit bunten Gardinen abgehängt – auch jetzt wenn es Tag ist.

Antonia wohnt hier zusammen mit ihrem heute 20-jährigen Sohn auf 15 Quadratmetern. Ein Bett längs an der Wand, das andere quer. „Im zweiten bewohnbaren Zimmer wohnt eine andere Frau“, erzählt Antonia. Mit ihr teilt sie sich die Küche. Genauso wie die Toilette. Fließendes Wasser gibt es im Haus nicht. Nur auf dem Nachbargrundstück gebe es „technisches Wasser“, erzählt mir Caritas-Mitarbeiterin Birgit Kuchta. Will sagen, dass man das Wasser zum Wäschewaschen nehmen kann, nicht aber zum Kochen oder gar Trinken.

Antonias Schicksal versus Antonias Träume

Warum wohnt die Frau hier, die Bücher im Regal stehen hat, gebildet wirkt und von einem eigenen, kleinen Haus träumt? Weil sie eine „Binnenvertriebene“ ist. Heißt, dass sie 2014 vor dem Krieg im ostukrainischen Donbas geflohen ist. „Mit drei kleinen Taschen“, erzählt sie. „Ich wollte nicht, dass meine beiden Söhne zum Militär eingezogen werden“, sagt die Frau, die früher als Ingenieurin gearbeitet hat, aus spürbar tiefer Überzeugung. Das Haus fand sie über eine Freundin, die in der Nähe lebt.

Der Caritas ist sie dankbar, weil sie von ihr Medikamente für ihre Rheuma-Erkrankung bekommen hat. Auch ihr Sohn bekam Hilfe vom katholischen Wohlfahrtsverband.

Antonia hat heute übrigens Geburtstag. 66 wird sie.

*Name geändert


Autor: Dietmar Kattinger, Diplom-Theologe und Journalist, ist seit 20 Jahren Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg mit Sitz in Vechta. Er begleitet eine Caritas-Reise in die Ukraine und berichtet hier über seine Erfahrungen mit Land und Leuten.

Mehr über die Arbeit von Caritas international, dem Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, in der Ukraine könnt ihr hier nachlesen.

Lest hier weitere Blogbeiträge aus der Ukraine:
Ukraine: Teil 1 – Ernst und fremd, schön und faszinierend
Ukraine: Teil 2 – Gesichter eines vergessenen Landes
Ukraine: Teil 3 – Von Verliebtheit und Todesschwadronen

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