Japan: Es tut sich etwas

(RW) In dem Notlager in Kesennuma hat sich eine Interessensgemeinschaft gebildet, die es in zähen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung geschafft hat, ihr das Zugeständnis für ein temporäres Einkaufszentrums abzuringen. Das Ganze soll in Containerbauweise entstehen, auf zwei Plätzen mitten in der Geisterstadt. „Japan: Es tut sich etwas“ weiterlesen

Japan: Austauschmöglichkeiten

(RW) Schon jetzt – ist die Traumaarbeit wichtig, die Aufarbeitung des Erlebten (siehe dazu auch Die ZEIT vom 8.9.) wird in Zukunft an Bedeutung noch zunehmen. Hier will die Caritas einen Schwerpunkt ihrer weiteren Arbeit setzen. Vor allem die Älteren – und noch viel mehr all jene, die ihre Lieben verloren haben – brauchen Zuspruch und „Japan: Austauschmöglichkeiten“ weiterlesen

Japan: Wasserkochen zur Traumabewältigung

(RW) Die Nahrungsmittelverteilungen sind inzwischen passé. In Ishinomaki wird allerdings nach wie vor heißes Wasser für die inzwischen nur mehr rund 120 Bewohner des Evakuierungszentrums zubereitet. Zu Spitzenzeiten waren über 1.000 Menschen zu versorgen. Da die lokale Verwaltung es – aus welchen Gründen auch immer – nicht schaffte, heißes Wasser für Tee und Suppen zur Verfügung zu stellen, konnte die Caritas hier eine Art Alleinstellungsmerkmal bekommen. Ihre Dienste sind überaus geschätzt.

Zusätzlich hat man ein Café eröffnet, das ab sechs Uhr morgens Tee, Kaffee und Suppen bereit stellt. Da die meisten der Evakuierten wieder ihren Beschäftigungen nachgehen können (und die Kinder zur Schule), erhalten sie so ein warmes Frühstück, das sie auf den Arbeitstag vorbereitet. Mittags und am Nachmittag kommen dann gerne die Älteren auf einen Plausch vorbei. Auch solche Alltagsgespräche können helfen, die Traumata zu bewältigen.

So hat eine vergleichsweise simple Maßnahme wie Wasserkochen eine enorme Bedeutung für die Betroffenen, etwas, das von außen her schwer in seinem Wert richtig einzuschätzen ist. Hatten wir beim Briefing in der Basis noch die Stirn gerunzelt, so glättete sich diese nach dem Besuch ganz schnell.

Japan: Privatsphäre? Fehlanzeige!

(RW) Die Container für die Opfer des Tsunami in Japan wurden nach dem Erdbeben in Kyoto erprobt. Sie sollen für maximal zwei Jahre als Übergangswohnraum dienen. Allerdings ist die Bauweise (Stahlblechdach, geringe Isolierung und gelegentliche Undichte) ein Problem. Viele fürchten sich bereits vor dem Winter, der in dieser Gegend durchaus hart sein kann.

Durch die schlechte Zwischenisolierung ist kaum Privatsphäre vorhanden. Gespräche in den benachbarten Containern müssen ungewollt mitangehört werden. 

 

 

 

 

 

Die Wiedergewinnung eines Großteils der Privatsphäre ist eine Seite; die Klagen über Isolierung in der Gruppe und die psychischen Schäden durch Tsunami und Trauma die andere.

Japan: Container Siedlungen

An manchen Orten wird immer noch oder wieder nach menschlichen Überresten gesucht. Die Zahl der Vermissten beläuft sich derzeit offiziell auf 4.227, die der Toten auf 15.774. 115.035 Häuser wurden total zerstört.

Und was ist mit den Überlebenden?

Laut Regierung sollen alle Evakuierungszentren bis Ende September geschlossen sein. Die Opfer werden derzeit in Übergangswohnungen umgesiedelt. Diese bestehen aus vorgefertigten Containern, die größenvariabel sind, um der Familiengröße angepasst zu werden. Auf allen möglichen Plätzen sind diese Siedlungen zu sehen. In Kesennuma z. B. wurde ein Baseball-Feld kurzerhand in eine Siedlung für 160 Familien umgewandelt.Die Größe reicht von 20  bis zu 200 Containern, die jeweils in Viererformation zusammengebaut sind. Wichtig ist die Versorgung der Leute, so haben sich in einigen Siedlungen bereits Lebensmittelgeschäfte – ebenfalls im Container – angesiedelt.

Japan: Gras wuchert langsam über die Wunden

(RW) Brutal der Blick auf das, was einmal der Ort „Rikuzen- takata“ war: 80 % der Häuser sind zerstört. Wo sie standen, breiten sich leere Flächen aus; Gras wuchert langsam über die Wunden, die der Tsunami der Stadt geschlagen hat. Wahrscheinlich wird hier keiner mehr wohnen dürfen. Nur das Rathaus und ein Industriebetrieb, beide zweistöckige Betonblocks haben den Sturm überstanden. Sie stehen einzeln und irgendwie traurig und nutzlos in der Gegend.

Japan: Im April und heute

(RW) Gespannt war ich zu sehen, wie sich die Lage im Vergleich zu meinem Besuch im April verändert hatte. Vor allem die Bewältigung der Schuttmassen und ihre Lagerung schienen mir damals ein großes Problem zu sein. Dann stellte sich natürlich die Frage, wie die Situation der Betroffenen sechs Monate „danach“ aussah.

Die Schuttbeseitigung ist unterschiedlich weit fortgeschritten: in Ishinomaki ist fast alles „entsorgt“, Straßen und Plätze sind frei. Die Trümmer werden in großen Halden zwischengelagert, Betonteile zerkleinert und – in Säcke gefüllt – als Stabilisierungsmaterial zur Absicherung von Straßen, Dämmen etc. verwendet. Der Blick von einem Hügel in der Stadt offenbart das Ausmaß der Katastrophe: riesige Hügel mit Abraum wurden aufgeschüttet. Dutzende von Baggern „ordnen“ das Ganze. Was damit mittelfristig geschehen soll, ist aber unklar.

Ganz anders sieht es weiter im Norden aus: sowohl in Kesennuma wie auch in Kamaishi ist noch viel von der Katastrophe sichtbar: es scheint, als ob die Aufräumarbeiten gerade erst begonnen hätten. Laut Caritas hängt dies mit den Möglichkeiten und Fähigkeiten der jeweiligen Ortsverwaltungen zusammen. Da scheint man etwas „geschlafen“ zu haben.

 

Japan: Hilfe kennt keine Einkommensschicht oder Religionszugehörigkeit

 

(RW) An Freiwilligen herrscht kein Mangel. Sie kommen aus allen Schichten: vom Studenten bis zur Hausfrau, vom Psychologen bis zum Banker ist alles vertreten. Bisher hat man insgesamt 2.650 Freiwillige organisiert. Viele kommen nur ein Wochenende, andere engagieren sich über einen längeren Zeitraum, manche kommen eine Woche, gehen eine Woche weg und kommen dann wieder.Vor allem bei den psychologisch Tätigen legt man allerdings Wert auf eine längere Verweildauer, weil Vertrauen als Basis für sinnvolle Arbeit nur über einen größeren Zeitraum hin geschaffen werden kann.Die Freiwilligen werden im Einsatzzentrum in Sendai gebrieft und erhalten eine Aufgabe, je nach Alter und Kenntnisstand. Die jungen Leute werden vor allem bei Reinigungsarbeiten (von Häusern, Photos etc) sowie bei Instandsetzung (Malen, Anstreichen, Wiederherrichten) eingesetzt. Der oben erwähnte Banker aus Tokio, der zum ersten Mal so etwas machte, wurde mit der Erhebung des Bedarfs in einem Übergangslager betraut.

Bei weitem sind nicht alle Freiwilligen Christen oder gar Katholiken. In Kamaishi gibt es auch buddhistische Mönche, die als Freiwillige bei der Caritas arbeiten. Ein interessanter Ansatz, der Möglichkeiten für eine künftige Kooperation bieten könnte. Die meisten kommen über die Website der Caritas zu ihr. Andererseits gibt es auch aus den Pfarreien Freiwillige, was insofern von großem Vorteil ist, weil sie die Situation vor Ort und die Menschen kennen und am ehesten sagen können, wo die Not am größten ist. Nicht zu vergessen sind auch die Ordensleute, die in den Caritaszentren arbeiten. Nonnen aus 25 Orden tun regelmäßig, z.T. in Schichten, Dienst in der Caritas. Sie kommen von überall her; so ist z.B. die Leiterin der Basis Ishinomaki eine Ordensfrau aus Hiroshima, die Köchin in Kamaishi kommt aus Nagano. Auch Priester, vor allem die Ortspfarrer, helfen gelegentlich aus.