Archiv der Kategorie: Katastrophenhilfe und -vorsorge

Caritas international leistet nicht nur Hilfe bei akuten Katastrophen, sondern ist auch im Bereich der Katastrophenvorsorge aktiv.

Haiti Projektbesuch Teil 2: Wenn einem Land der Treibstoff ausgeht

Anflug auf Port-au-Prince. Der weit über 2000 Meter hohe Gebirgszug des Karibikstaates ist wolkenverhangen. Das Wasser, das aus der Chaine de la Selle in die Meeresbucht fließt, ist aus dem Flugzeug deutlich zu erkennen. Die braungrauen Wasseradern verzweigen sich über eine Siedlungsfläche, die am Horizont mit einer schwarzen Wolkenwand verschwimmt. Kaum gelandet, ergießt sich ein heftiger Regen über die Millionenstadt. Er hämmert auf das Wellblech der Hausdächer – eine metallisch klingende Resonanz. „Die Ausläufer von Dorian“, meint Carmen Marquez.

Der tropische Sturm Dorian war erst vor wenigen Tagen vor Haiti abgebogen und hat inzwischen auf den Bahamas als Wirbelsturm der stärksten Kategorie weiträumigen Schaden angerichtet.

Mit Carmen Maria Arrieta Marquez, der Fachkraft von Caritas international auf Haiti, werden wir in den kommenden Tagen im Südwesten des Landes ein Projekt zur Katastrophenvorsorge besuchen. Zuvor ist ein kurzer Besuch in einem Kinderheim in Port-au-Price geplant.

Ärmste Stadt der westlichen Hemisphäre

Hinterhöfe im gehobenen Stadtteil Dumas: Menschen, die keinen Wohnraum finden, bauen sich Bretterverschläge. Foto: Martina Backes

Port-au-Prince: Über 2,6 Millionen Menschen leben in und um diese haitianische Metropole. Ich meine, nur wenige dermaßen dicht besiedelte Großstädte gesehen zu haben, die so wenige mehrstöckige Bauten aufweisen wie diese Stadt. Der Anblick aus der Vogelperspektive lässt es bereits vermuten: Die Stadt wuchs deutlich schneller, als die Behörden es planen konnten. Zahlreiche Viertel aus provisorisch anmutenden Unterkünften und halbfertigen Häusern sind auf den Sandflächen rund um das hügelige Zentrum auf wenig stabilem Terrain gewachsen. Das Wasser, das in der Regenzeit aus dem angrenzenden Gebirge auf die Schwemmlandflächen stürzt, durchspült mancherorts den Boden, auf dem die Siedlungen gewachsen sind.

Bekannt als Armenviertel des Karibikstaates ist der Stadtteil City Soleil, die Sonnenstadt, direkt an der Küste gelegen. In City Soleil leben schätzungsweise über 300.000 Menschen, rund 29.000 auf einer Quadratmeile. Auf der anderen Seite der küstennahen Straße haben ein paar Menschen aus Wellblechresten und Plastik eine Behausung direkt an den „Strand“ gebaut. „Nachts schlafen sie auf Tischen, denn der Boden wird vom Meer durchfeuchtet“, erfahren wir von einem engagierten Journalisten aus dem Viertel, der eine Bibliothek für das Viertel aufbaut.

Alltag und Ausnahmezustand

Es ist Sonntag, in den Straßen wird allerorts Kleinhandel betrieben. Mangos und Avocados gibt es bergeweise, Schuluniformen und Taschen schmücken so manche zementgraue Häuserwand. Die Atmosphäre wirkt geschäftig. „Das könnte die Ruhe vor dem Protest sein“, meint Carmen auf dem Weg in das Caritas Haus im Stadtteil Dumas. Seit Tagen gibt es kein Benzin und kein Diesel mehr zu kaufen. Die Tankstellen sind geschlossen.

Ohne Treibstoff kommt die Wirtschaft zum Erliegen. Supermärkte sind von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht, hier kauft die Mittelschicht. Bei den Protesten vergangenen Juli kam es zu Plünderungen. In den Straßen der Stadt wird alles Erdenkliche gehandelt, das heißt, vor allem weiterverkauft: Schrauben, Streichhölzer, Früchte, Schnürsenkel, ein Fläschchen mit Kerosin, Importseife und Salz. Die üblichen Portionen an Mais, Bohnen, Zucker und Holzkohle teilen die Frauen, die auf einer Plane ein paar Dinge zum Verkauf anbieten, in immer kleinere Portiönchen. Der Weiterverkauf für einen kleinen Aufpreis ist das Geschäft der Armen mit den Armen. Wer einen Sonnenschirm hat oder aber Guthaben für Mobiltelefonie verkauft, gehört zu den etablierten Verkaufsständen.

Weil die Bevölkerung arm ist, kann sie sich nur Kleinstportionen leisten. Ein halbes Kilo Reis für die Mahlzeit am Abend, dazu ein paar Avocados. Am Sonntag vielleicht einen getrockneten Fisch. Was es morgen zu Essen gibt? Man wird sehen. Auf einem Sammeltaxi steht geschrieben: Nur Gott weiß, ob es ein Morgen gibt.

Wenn die Geduld versagt

Motorradfahrer im blockierten Straßenverkehr - es gibt kein Vor und kein Zurück
Fahrer von Sammeltaxis und Motorrädern, die den Personenverkehr der Metropole bewerkstelligen, sind sichtlich wütend auf die Energiekrise im Land. Die Tankstellen blieben am ersten Septemberwochenende weitgehend geschlossen. Foto: Martina Backes

Die Menschen scheinen sich ihrem Schicksal anzupassen und jede Möglichkeit zu nutzen, um mit dem Wenigen ein Auskommen zu finden. Doch der Schein dieser Hingabe an das Gegebene trügt. Am nächsten Tag brennen alte Reifen, schwarzgraue Rauchschwaden verrußen die Luft nahe der Innenstadt. Straßenblockaden verhindern, dass der Verkehr zwischen den Stadtteilen rollt. Die Marktstände sind in wenigen Sekunden zusammengepackt, nur ein paar Menschen bleiben auf den Straßen. Vor den Tankstellen haben sich hingegen hunderte Mopedfahrer versammelt, in aufgeheizter Stimmung hämmern sie mit leeren gelben Kanistern an den Zapfsäulen. Es fliegen Steine. Wer eine Blockade anzündet, trägt einen Motorradhelm. Um nicht erkannt zu werden.

Straßenblockade am 2. September – Quelle: WhatApp Gruppe Expats in Haiti

Im Nu ist der Verkehr blockiert. Der Protest der Fahrer richtet sich gegen die Politik des Staates. Im Hafen von Port-au-Prince liegt ein Tankschiff, seit Tagen. Der Staat schuldet den Erdölunternehmen rund 6,2 Millionen US Dollar, daher verzögert sich die Lieferung bis auf weiteres. Später am Tag rollen schließlich doch ein paar Tanklaster aus dem Hafen. Sie werden beschlagnahmt, ein Lkw-Fahrer kommt gewaltsam zu Tode. Daraufhin streiken die Fahrer des Transportunternehmens, sie fürchten um ihre Sicherheit. Ein Dilemma.

Stunden um Stunden warten die Fahrgäste des Sammeltaxis auf die Weiterfahrt. Straßenblockaden und brennende Autoreifen haben den Verkehr lahmgelegt. Foto: Martina Backes

In die Proteste involviert sind vor allem Mopedfahrer und die Besitzer von Pkws mit Ladefläche sowie die Sammeltaxis. Nicht nur, dass ihr Einkommen von der Verfügbarkeit von Treibstoff gänzlich abhängt. Sie bewerkstelligen den öffentlichen Personentransport in der Metropole, sie beliefern die lokalen Märkte mit den Produkten aus dem Umland, sie bringen die Kinder in die Schule.

Inzwischen sind die Preise für Diesel und Benzin auf dem Schwarzmarkt um ein Vielfaches gestiegen. Auch Gas und Kerosin sind knapp. Zahlreiche Dieselgeneratoren stehen still, sogar die Krankenhäuser sparen. Erst letzte Woche hatte das Bürgermeisteramt angekündigt, wegen der Dieselkrise im Land den Müll nicht entsorgen zu können. Viele Privatunternehmen lassen knappe 20 Meter vor ihrem Eingangstor sauber fegen – bis zum nächsten Regen, der die wachsenden Abfallberge in den Straßen nach dem Gesetz des geringsten Widerstands umverteilt.

Seitenstraße im Stadtteil Carrefour: Der Regen spült den Müll aus den Vororten auf die Straße

Eine Woche später

Anfang der ersten Septemberwochenende wurden an wenigen Tagen rationierte Mengen Benzin an den Tankstellen in Port-au-Prince verkauft. Der Verkehr hat sich seither gefühlt verzehnfacht. Doch längst nicht alle Schülerinnen und Schüler konnten zum Schulbeginn ihre Klassen betreten, denn die Preise für den Transport in der Stadt sind oft drei- bis vierfach höher als noch vor wenigen Monaten.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter, die einer regulären Tätigkeit nachgehen, verbringen Stunden, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Wer lediglich den Mindestlohn von 420 Gourdes (rund vier Euro) verdient, muss davon knapp die Hälfte für den Transport abziehen. Laut einer Studie deckt der Mindestlohn gerade mal ein Viertel der Lebenshaltungskosten einer Familie.

Ohne Transport bricht das Leben hier zusammen. Eine Lösung für die Energiekrise ist derzeit nicht in Sicht. Befürchtet wird vielmehr, dass der bankrotte Staat mittelfristig die Subventionen für den Treibstoff streicht und die Erdölunternehmen ihre Fracht nicht löschen lassen, solange Haiti keine weiteren offenen Rechnungen tilgt. Da der Staat den Erdölunternehmen noch gute vier Millionen Dollar schuldet, ist die Krise keineswegs überstanden.

Das Straßenbild lässt es vermuten: Der Karibikstaat ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Umso wichtiger ist es, die rund 2,6 Millionen Menschen, die von einer Ernährungskrise bedroht sind, bei ihrem Bemühen um eine Lösung zu unterstützen.

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Haiti – Projektbesuch, Teil 1: Die Bilder vor der Reise

Wie sieht es in Haiti aktuell aus? Ist das Erdbeben von 2010 noch sichtbar? Was ist seitdem passiert? Martina Backes, Mitarbeiterin bei Caritas international, geht diesen Fragen auf ihrer Haiti-Projektreise nach. In diesem Blogbeitrag spricht sie über die Bilder vor der Reise. Haiti – Projektbesuch, Teil 1: Die Bilder vor der Reise weiterlesen

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Verwüstung, Verheerung – und die Sorge um Mudala

Wir, meine Kollegin Jutta Herzenstiel und ich, packen unsere Koffer. Für die nächsten zwei Tage wollen wir uns ein Bild von der Situation der Missionsstationen Mangunde und Estaquinh unserer Partnerorganisation Esmabama machen. Der Jeep ist gefüllt mit Proviant und vor allem: Wasser.

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Gute Organisation kann Leben in Mosambik retten

Besuch der isolierte Siedlung Badara in Mosambik mit 1.500 Menschen – Bericht von Ingo Steidl / Teil 2

„Viele in der Gemeinde haben alles verloren und müssen im Freien schlafen.“ Das ist ein Grund für die zahlreichen Malariafälle, die sie dieser Tage behandeln müssen. Das sind die ersten Worte der Angestellten der Gesundheitsstation in Barada und eines freiwilligen Helfers.

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“Wir lassen niemanden zurück”

Auf dem Markt des Viertels Praia Nova in Beira herrscht bereits reger Betrieb, als wir morgens um acht vom Fahrer unserer Partnerorganisation dort abgesetzt werden. Die kleine Strecke von Verkaufsständen am Strand wirkt unübersichtlich. Direkt neben dem Treiben erwarten uns drei jugendlichen Kapitäne auf einem Boot. Noch kurz die Schuhe aus, um die ersten Meter zum Boot durchs Wasser zu waten, dann Schwimmwesten, Trinkwasser und einige wichtige Medikamente verladen – und schon legen wir ab.

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Zwischen Himmel und Hölle

Beira/Mosambik, 31. März. Noch wirkt es, als könnte man den Himmel betreten. Im nächsten Moment, kurz nach Durchfliegen der Wolkendecke, sind die Spuren des Zyklon Idai überdeutlich: kleinere und größere Seen bedecken die Erdoberfläche.

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Trotz Winter: keine Pause bei der Klimaerwärmung

Derzeit beschäftigen Kälteeinbrüche und starke Regenfälle die Werke der Not- und Katastrophenhilfe. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass der Klimawandel im Winter weniger zu Buche schlägt, als im spürbar heißen und trockenen Sommer in Europa.

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Indonesien: Nachbeben der großen Katastrophe

Jetzt habe auch ich eine ungefähre Ahnung davon, wie sich ein richtiges Erdbeben anfühlen könnte. Am 17.1. tanzte in meinem Zimmer in einem Gasthaus in Palu auf Sulawesi drei Sekunden lang die Erde. Für die Menschen hier ist ein solcher Erdstoß kaum der Erwähnung wert. Es handelte sich um eines der zig kleinen Nachbeben, von der Regierung wird es auf eine Magnitude von nur 4,1 eingestuft.

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Indonesien: “Willkommen in Mordor”

Er ist für die Bewohner Westjavas wahrlich zu einer Art Schicksalsberg geworden: Der Krakatau-Vulkan, der wenige Kilometer vor der Küste der indonesischen Insel aus dem Wasser ragt. Und noch immer brodelt er, mehr als drei Wochen nachdem ein riesiger Erdrutsch infolge seiner Aktivität einen rund fünf Meter hohen Tsunami ausgelöst hat. Indonesien: “Willkommen in Mordor” weiterlesen
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