Peru und das Coronavirus – ein Land in Quarantäne

Schon bevor es in Peru den ersten Covid-19-Kranken gab, war das Coronavirus das allumfassende Thema hier in Peru. Ob in meiner Einsatzstelle, der Gastfamilie oder in meiner Freizeit, Corona war Mittelpunkt aller Gespräche. Dies hat sich nach dem ersten Corona-Fall und der darauffolgenden Ausbreitung des Virus in Peru deutlich verschärft. Jeder weiß bessere Schutzmethoden, kennt die aktuelleren Zahlen und hat die besseren Vorschläge, um das Virus einzudämmen.

Eine Krankheit der Weißen

Laut dem, was ich von Zuhause aus Deutschland mitbekomme, ist die Stimmung in Peru ähnlich. Immer wieder höre oder lese ich offensichtliche Falschmeldungen wie zum Beispiel „Nur Weiße können sich an dem Virus anstecken!“ oder „Der Papst ist infiziert!“. Außerdem beobachte ich, wie die Angst vor der Pandemie in Diskriminierung umschlagen kann. So musste sich eine andere Freiwillige, deren Eltern aus Vietnam kommen, auf der Straße den Kommentar anhören: „Ah China, die Krankheit!“.

Stillstand von einem Tag auf den anderen

Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, zu welchen Maßnahmen die Pandemie in Peru führen würde. Zumal ich mir selbst wenige Sorgen und Gedanken machte und die Hysterie nicht wirklich verstand. Als am 15. März die Zahl der Infizierten innerhalb eines Tages von rund 50 auf ungefähr 75 stieg, hielt Präsident Vizcarra eine Ansprache ans Volk. Darin rief er den Notstand für 15 Tage aus und verhängte eine Ausgangssperre. Seitdem kontrollieren das Militär und die Polizei, ob sich alle daran halten und niemand grundlos auf der Straße herumläuft. Alle Flüge in Peru und nach Asien sowie Europa wurden gecancelt. Innerhalb des Landes liegt der Busverkehr lahm.

Kein leichter Abschied

Einen Tag nach Vizcarras Ansprache bekamen wir, also alle Weltwärts-Freiwillige, mittgeteilt, dass wir so schnell wie möglich heimgeholt werden. Wie das funktionieren soll und vor allem wann, weiß zum jetzigen Zeitpunkt niemand. Mir bleibt nichts anderes übrig, als in dem Haus meiner Gastfamilie zu bleiben und auf neue Infos zu meiner Rückreise zu warten. Das Ende meines Freiwilligendienstes habe ich mir auf jeden Fall ganz anders vorgestellt. Es fühlt sich falsch und unvollständig an, jetzt schon die Heimreise antreten zu müssen. Am 26. März startete das erste Flugzeug nach Deutschland. Es scheint jetzt alles ganz schnell zu gehen. Wann ich allerdings wieder deutschen Boden betrete, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Ein leichter Abschied wird das unter diesen Bedingungen nicht.

„Die derzeitige Corona-Krise ist global und trifft uns alle“

In Jordanien sind bisher rund 80 Corona-Fälle bekannt. Caritas international sprach hat mit Wael Sulieman, Generaldirektor der Caritas Jordanien, über die aktuelle Lage und die Arbeit der Caritas.

Wie ist die aktuelle Situation in Jordanien bezüglich des Corona-Virus?

Die derzeitige Krise trifft nicht nur ein Land, eine bestimmte Organisation oder einen bestimmten Kontinent – sie ist global und betrifft uns alle. Wie in anderen Ländern der Welt leben die Menschen in Jordanien gerade in Angst und Sorge. Die Regierung tut ihr Bestes, um die Situation zu kontrollieren. Rund 5.000 Menschen, die letzte Woche aus anderen Ländern eingereist sind, befinden sich zurzeit in Quarantäne. Bis heute hat die Regierung fast hundert positiv getestete Corona-Fälle im Land bestätigt. Eine Person konnte erfolgreich behandelt werden. Mittlerweile ist in allen Teilen des Landes eine vollständige Ausgangssperre in Kraft getreten.

Was bedeutet die Ausgangssperre für die Arbeit der Caritas Jordanien?

Auf Anweisungen der Regierung haben wir alle Büros der Caritas geschlossen.  Unsere tägliche Arbeit müssen wir für zunächst 14 Tage einstellen. Damit mussten wir vorerst auch unsere Gesundheitszentren schließen und können unsere wichtige Arbeit dort nicht fortsetzen.

Gibt es Hoffnung, dass die Kliniken bald wieder öffnen dürfen?

Die jordanische Regierung will einigen Organisationen eine Sondererlaubnis erteilen, damit sie ihre Arbeit fortsetzen können. Noch ist unklar, wie solche Regelungen aussehen und ob sie für die Caritas-Kliniken greifen werden.

Was geschieht mit den anderen bisher eingestellten Maßnahmen?

Es ist zu erwarten, dass wir einige unserer Projekte nicht innerhalb des Projektzeitraums umsetzen können. Hier müssen wir neu planen. Aber wir bleiben optimistisch: Wir als Caritas Jordanien arbeiten hart dafür, dass alle Projekte nach der Neuplanung fortgesetzt werden können.

Caritas macht mehr als nur Altenhilfe – auch in Peru

Marc-Maurice Lindl engagiert sich seit August 2019 als Freiwilliger der Erzdiözese Freiburg in der peruanischen Stadt Arequipa. Er unterstützt die Caritas Arequipa unter anderem bei einem Integrationsprojekt an verschiedenen Schulen. Was er dort genau macht, erfahrt ihr in seinem Blogbeitrag.

Hallo zusammen, mein Name ist Marc-Maurice. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus dem kleinen Dorf Höpfingen im Odenwald. Während meiner Schulzeit habe ich mich entschieden, nach dem Abschluss einen einjährigen Freiwilligendienst in Peru zu machen.  Und nun bin ich schon seit sieben Monaten bei der Caritas in Arequipa. Während dieser Zeit bin ich bei einer Gastfamilie im Norden Arequipas untergebracht. Ich wohne dort zusammen mit meinen zwei Gastschwestern Luz (2) und Rubí (15), meinem Gastbruder Josué (16) und meinen Gasteltern Vilma und Jesus in einem Haus im Stadtviertel Villa Paraiso.

Mein Gastvater Jesus macht ein Selfie mit der ganzen Familie.

Mehr als nur Altenhilfe

Wenn man mich vor meiner Zeit als Freiwilliger in Peru gefragt hätte, was die Caritas eigentlich so macht, hätte ich wahrscheinlich geantwortet: „Senioren Essen bringen und so…“. Ab und zu sah ich in Deutschland einen rotweißen Caritas-Van vorbei fahren.  Dass die Caritas allerdings ganz viele verschiedene Hilfsprojekte auf der ganzen Welt betreibt, habe ich erst in der Bewerbungs- und Vorbereitungszeit auf den Freiwilligendienst richtig realisiert. So gibt es auch in ganz Peru Einrichtungen und Projekte der Caritas, in denen nicht nur ich, sondern auch andere Freiwillige arbeiten.

Meine Arbeit an verschiedenen Schulen

Die meisten Projekte der Caritas Arequipa richten sich an mit Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung, wie zum Beispiel die acht speziellen Förderschulen. An drei der acht Schulen unterstütze ich vormittags die Lehrerinnen. Ich habe ganz verschiedene Aufgaben: Ich begleite einzelne Kinder zum Zähne putzen, helfe ihnen beim Essen oder mache mit ihnen Schreib- oder Leseübungen. Mir gefällt die Arbeit an den Schulen sehr gut – vor allem, dass die Schülerinnen und Schüler trotz ihrer ganz verschiedenen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Autismus oder Downsyndrom zusammen lernen und ihre soziale Herkunft dabei keine Rolle spielt. Es ist für alle ganz egal, wie man aussieht, was man kann oder nicht kann und wie man spricht. Davon kann ich mit meinem unüberhörbaren deutschen Akzent ein Lied singen.

Die Gelassenheit der Lehrerinnen ist beeindruckend

Generell gefällt mir die Atmosphäre an den Schulen sehr – besonders die Art, wie die Lehrerinnen mit den Kindern umgehen. Es ist bemerkenswert, wie viel Geduld sie tagtäglich für jedes einzelne Kind aufbringen. Das ist in diesem Beruf unerlässlich. Zum Beispiel gibt es ein Mädchen mit schlechtem Kurzzeitgedächtnis, das sich kaum etwas merken kann. Manchmal fragt sie alle zehn Sekunden, ob man morgen auch kommt oder was man heute noch vorhat. Ganz ehrlich: Das kann auf Dauer ziemlich anstrengend sein. Nichtsdestotrotz bewahren die Lehrerinnen immer Ruhe und Geduld. Sie behandeln jedes Kind mit dem nötigen Respekt.

Hier bin ich in einer der Schulen in Arequipa.

Einzelbetreuung am Nachmittag

Nachmittags helfe ich in einem Inklusionsprojekt mit. Dafür besuche ich zwei Jungen mit Autismus zuhause. Ich verbringe dann Zeit mit ihnen und ihren Familien, mache verschiedene Übungen mit den Kindern oder wir kochen zusammen. Ich bin auch eine Ansprechperson für die Familie, falls es Probleme in der Schule oder Zuhause gibt. Diese bespreche ich dann mit einem der Mitarbeiter des Inklusionsprojektes der Caritas.

Das war’s vorerst von mir. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in meinen Freiwilligendienst hier in Peru geben.

„Proteste sind Schrei nach Gerechtigkeit“

Der Krieg in Syrien stellt auch für die Menschen des vergleichsweise kleinen Libanon eine große Herausforderung dar. Noch immer beherbergt der Staat hunderttausende Geflüchtete aus dem Nachbarland. Parallel gehen die Proteste gegen die Regierung in eine neue Phase. Im Interview gibt Paul Karam, Präsident der Caritas Libanon, Einblicke in die Situation vor Ort – und wählt deutliche Worte.

Father Paul Karam, Präsident Caritas Libanon

Wie positionieren sich die katholische Kirche und die libanesische Caritas gegenüber den Protesten im Land?

Wir müssen das Politische und unsere humanitäre Arbeit voneinander trennen. Es ist wichtig für unsere Glaubwürdigkeit, dass wir als soziale Organisation gesehen werden, die allen Menschen hilft – egal welcher Konfession, ethnischer Gruppe oder politischen Richtung sie angehören. Das ist es, was uns als Caritas seit jeher auszeichnet. Auf der anderen Seite können wir aber auch nicht so tun, als gingen die Proteste spurlos an uns vorbei.

Ich habe persönlich mit vielen Demonstrierenden gesprochen, sodass ich ihre Sichtweise gut kenne. Wir verstehen ihre Proteste als „Schrei nach Gerechtigkeit“. Denn mit Blick auf die Politik unseres Landes und ihre Repräsentanten muss man feststellen, dass es derzeit keine Gerechtigkeit gibt. Wir befinden uns mittlerweile in der Situation, dass unsere gesamte Gesellschaft sagt, dass sie genug hat. Die findet, dass es eine neue politische Strategie für das Land geben muss. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir es schaffen, der jungen Generation eine bessere Zukunft bieten zu können.

Warum ist es erst jetzt zu den Protesten gekommen, schließlich dauert die politische Misswirtschaft bereits seit vielen Jahren an?

Es gibt ja das Sprichwort „Besser spät als nie“. Wir haben die „Schreie der Hoffnungslosen“ nicht erst seit dem Beginn der Demonstrationen am 17. Oktober 2019 vernommen. Es gab sie schon deutlich früher, eigentlich immer wieder seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1990. Denn das damals etablierte politische System ist unausgewogen, was zu vielen weiteren Ungerechtigkeiten geführt hat. Wir mussten etwa miterleben, wie die Korruption Jahr für Jahr gewachsen ist.

Es stimmt, dass die Proteste spät erfolgen. Ich finde aber auch, dass all diejenigen, die nicht zufrieden sind mit den regierenden Politikern, diesen Unmut auch durch den Gang zur Wahl vor eineinhalb Jahren hätten ausdrücken können. Nur rund 50 Prozent der Wahlberechtigten haben damals ihre Stimme abgegeben. Man muss sich einbringen und kann nicht passiv bleiben und erst dann aktiv werden. Aber es ist natürlich auch besser, als gar nicht aktiv zu werden. Ein Grundproblem bleibt aber weiter ungelöst: Dass der verhältnismäßig kleine Libanon ein Spielball von vielen anderen Mächten ist, die in der Region ihre eigenen Interessen verfolgen.

Die Caritas Libanon bietet in Beirut Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung an sechs staatlichen oder halbstaatlichen Schulen an.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit Caritas international?

Wir sind wirklich sehr dankbar für das, was Caritas international für uns getan hat und weiterhin tut. Wir haben viele Projekte gemeinsam durchgeführt, einige reichen schon Jahrzehnte zurück. Ein großer Fokus lag in den vergangenen Jahren auf der Hilfe für syrische Flüchtlinge. Und die libanesische Gesellschaft hat die Menschen aus seinem Nachbarland mit einem hohen Maß an Solidarität aufgenommen – niemand wird das bestreiten können. Doch heute sind es in besonderem Maße die Libanesinnen und Libanesen selbst, die in Not geraten sind. Sie werden ärmer und ärmer. Die Arbeitslosenquote ist in den vergangenen Monaten und Jahren dramatisch gestiegen. Dazu kommt die Tatsache, dass dieses kleine Land nach wie vor eine große Anzahl an Flüchtlingen aus Syrien und Palästina beherbergt. Stellen Sie sich vor, in Deutschland würden 25 Millionen Flüchtlinge leben, denn das wäre die Relation, und welche Auswirkungen das auf das tägliche Leben hätte. Die Menschen im Libanon brauchen Unterstützung. Sie leiden seit langer Zeit und schlittern von einer Krise in die nächste. Sie haben es verdient, Hilfe zu bekommen. Wir hoffen dabei auf die Solidarität unseres Caritas-Netzwerks und die internationaler Organisationen, um dieser schwierigen Situation für die Menschen im Libanon bestmöglich begegnen zu können.

Von Vorurteilen umzingelt

Felix Schneider arbeitet als Teilnehmer des „weltwärts“-Programms seit knapp sechs Monaten in einem Projekt von Caritas international in Durban/Südafrika. Sein Arbeitsplatz ist eines der größten „Townships“ (Armenviertel) des Landes: Umlazi. Über seine Erfahrungen berichtet er in unserem Blog. Von Vorurteilen umzingelt weiterlesen