Das Aha-Erlebnis

(JM) Christel Wasiek, Auslandsberaterin Caritas international für Soziale Seniorenarbeit, erzählt von ihrer Tätigkeit und ihren Erlebnissen in Peru.

Hintergrund:

Peru ist ein Beispiel dafür, auf welche Art Caritas international die Soziale Seniorenarbeit in Entwicklungsländern fördert. Das Seniorenprogramm ‚Begegnung der Generationen’ soll die unterschiedlichen Altersgruppen wieder zusammenfinden lassen und die Ausgrenzung der älteren Menschen reduzieren. Hintergrund in Peru ist das negative Bild von der alten Generation, das in der Gesellschaft herrscht. Die alten Menschen werden oft behandelt, als seien sie nichts wert. Sie werden sogar Opfer von Gewalt in der eigenen Familie.

„Man macht sich, denke ich, keine Vorstellung, wie die älteren Menschen in Peru behandelt werden. Viele Jüngere halten die Älteren für ‘nicht sauber’, respektieren sie nicht und schrecken sogar vor körperlicher Gewalt nicht zurück. Auf diese Problematik muss aufmerksam gemacht werden, damit sich etwas ändert.

Deshalb organisiert die Cáritas del Perú mit finanzieller Hilfe von Caritas international Treffen von Seniorengruppen mit Schülern und Schülerinnen der 4. bis 6. Klasse. Dabei werden Themen wie die Rechte der Senioren besprochen, um ein sensibleres Bewusstsein bei der jungen Generation zu schaffen. In Arequipa war der Höhepunkt des Treffens von über 100 Senioren und Schülern ein Theaterstück. Die Schauspieler spielten die rohe körperliche Gewalt und die schlechte Behandlung der alten Menschen in den Familien nach. Ich habe in den Gesichtern der Kinder ein Aha-Erlebnis ablesen können.

Nach der Vorführung haben sich die Schüler mit den Senioren ausgetauscht. Ein Schüler sagte mir nach der Vorstellung, dass er über die harten Lebensbedingungen seiner Großelterngeneration überrascht war. Aber auch die Senioren haben viel vom Treffen mitgenommen. Zu den Schülern sagten sie immer wieder: ‚Nutzt eure Chance und lernt. Wir hatten nicht die Möglichkeit zur Schule zu gehen.’ Zum Schluss haben wir alle zusammen getanzt. Als ich ein paar Kinder danach fragte, was ihnen am Tag am Besten gefallen hatte, kam ausnahmslos die Antwort: ‚Das Tanzen natürlich!’

Für mich war interessant zu sehen, dass auch die Lehrer aufmerksamer gegenüber den Senioren waren. Und die Schüler erzählen zu Hause von ihren Erlebnissen, sodass wir hoffen, langfristig ein positives Bewusstsein für die ältere Generation zu erreichen. 50 Veranstaltungen dieser Art haben wir schon gemacht, weitere werden folgen.“

Mehr zu Sozialen Seniorenarbeit in Lateinamerika hier.

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