Sri Lanka: Flucht und Vertreibung

Wie ich im letzten Blog geschrieben habe, hatte der Bürgerkrieg schreckliche Auswirkungen auf die Bevölkerung Sri Lankas. Die Angst vor Kreuzfeuer und Bombardierungen der rivalisierenden Gruppen (Tamilen gegen Singhalesen) verursachte die Flucht von Hunderttausenden aus ihren Heimatdörfern. Mehr als zwei Jahrzehnte lang, erlebten die Menschen täglich Gewalt und Tod.  

Wenn Menschen sich in einer lebensbedrohlichen Situation wiederfinden, reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Adrenalin und einem großen Überlebenswillen. Mit letzter Kraft flohen viele Menschen aus dem Kriegsgebiet und ließen sich in anderen Teilen Sri Lankas nieder, in denen sie ein sicheres und glücklicheres Leben vermuteten.

Die Zahl der Binnenflüchtlinge, die auch als Internally Displaced People (IDP) bekannt sind, stieg täglich. Laut den erhobenen Daten waren 1997 200.000 Menschen auf der Flucht, 1998 waren es schon 603.025 und 1999 stieg die Zahl auf 612.518. Noch einmal stieg der Flüchtlingsstrom zwischen 2000 und 2001 dramatisch an, da sich die Situation verschärfte. Aber mit dem vereinbarten Waffenstillstand zwischen der Regierung und den Liberation Tigers of Tamil Eelam  (LTTE) im Februar 2002, endeten 19 Jahre Gewalt, Zerstörung und Vertreibung. Zumindest für eine kurze Zeit. In den kommenden Jahren verringerte sich die Anzahl der Flüchtlinge durch die verbesserte Sicherheitslage von 462.826 auf 352.374. Der Waffenstillstand war allerdings sehr brüchig und erst im Mai 2009, nachdem die Regierungstruppen den LTTE eine endgültige militärische Niederlage zufügten, kam Sri Lanka zur Ruhe. In der letzten Phase des Konfliktes wurden noch einmal ca. 276.000 Menschen vertrieben. 

Das Ende des Bürgerkrieges 2009 markiert eine neue Zeit der Rekonstruktion, des Wiederaufbaus und der Entwicklung in den Regionen Kilinochchi und Mullaitivu. Große humanitäre Anstrengungen werden von dem Orden Oblates of Mary Immaculate und Caritas international durch entwicklungsorientierte Programme unternommen. Das Projekt „Eine Zukunft für Vertriebene“ unterstützt langfristige Entwicklungsherausforderungen wie beispielsweise die Rehabilitation der Landwirtschaft, nachhaltige Grundversorgung und Selbsthilfeprogramme für Frauen. 

Im nächsten Blog werde ich ihnen über die Herausforderungen, vor denen die Betroffenen und wir Hilfsorganisationen stehen, berichten.

Ihr Father Sylvester

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