Indien: Wie lebt in der indischen Metropole Delhi eine Familie von drei Euro am Tag?

(JS) Ein kleiner Laden in einem slumartigen Viertel von Delhi. Er macht morgens um sieben auf und schließt abends um 10 Uhr. Immer sitzt jemand in dem Laden, oft Mutter und Tochter gemeinsam, um sich die langen Stunden zu vertreiben. Es ist nicht viel los.

Familie vor ihrem Laden stehend
Die Familie Bano vor ihrem kleinen Laden in Delhi.

Ein paar Meter weiter gibt es wieder so einen Laden. Wer durch ein Slum in Delhi läuft, findet an jeder Ecke einen Verkaufsstand. Können Familien davon leben? Familien, wie die Banos, mit einer geistig behinderten Tochter und einem Vater, der seine Arbeit auf dem Bau wegen einer Staublunge nicht mehr machen kann?

Die Antwort ist nein. Der Laden wirft täglich gerade mal 100 Rupien ab, das ist 1,50 Euro. Davon können auch in Indien zwei Erwachsene und drei Mädchen nicht leben. Die Caritas in Delhi – sie nennt sich dort Chetalanaya – hat dafür gesorgt, dass die Familie für Kesher vom Staat 1.000 Rupien erhält. So kann das Mädchen, das eine geistige Behinderung hat, in eine spezielle Schule geschickt werden. Es ist leider nicht selbstverständlich, dass alle Kinder mit Behinderungen staatlich gefördert werden. Viele Familien wissen nichts darüber und selbst wenn, sind sie mit der Antragstellung überfordert. Jetzt kommt wenigstens etwas Geld herein, und Keshers Mutter arbeitet zusätzlich in ihrem einzigen Wohnraum hinter dem Laden. Sie verpackt Bonbons. Dafür erhält sie 50 Rupien am Tag. Alles in allem kommt die Familie so auf rund 6.000 Rupien, also etwa 90 Euro. Wenig, aber es muss gehen. Die Schule, auf die Kesher geht, hat ihr Carrom beigebracht und sie an Laufwettbewerben teilnahmen lassen. Beides macht sie so gut, dass sie bereits Urkunden vorweisen kann. Kesher ist flott, darauf sind ihre Eltern enorm stolz.

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