Haiti: Erste Eindrücke

Auch drei Jahre nach dem schweren Erdbeben engagiert sich Caritas international, gemeinsam mit den lokalen Partnern, in Haiti. Unser Mitarbeiter Ingmar Neumann reiste im März dorthin, um die Projekte, für die er arbeitet, aber auch die Menschen, die diese Projekte vor Ort betreuen, persönlich kennenzulernen.

(IN) Eben bin ich im Urlaubsparadies Dominikanische Republik zur letzten Etappe nach Haiti gestartet. Mit einer kleinen Zweipropellermaschine geht es von Santo Domingo nach Port-au-Prince. Was ich von der DomRep gesehen habe ist sauber, freundlich und auf Touristen eingestellt. So stell ich mir Karibik vor. Ins Nachbarland Haiti sind es gerade mal 35 Minuten. Im Sinkflug nähern wir uns der Drei-Millionen-Stadt Port-au-Prince. Ich erschrecke – was ich mir, von oben gesehen, als Bungalowanlage direkt am Meer ausmale, entpuppt sich als dreckige Notunterkunftssiedlung ohne Kanalisation, befestigte Wege o.Ä. – Fehlanzeige. Haiti ist nicht die DomRep: Haiti ist seit Jahrzehnten eines der ärmsten Länder der Welt. Das große Erdbeben vom 12. Januar 2010 hat die Situation nur nochmals zugespitzt. Drei Jahre später wirkt auf mich vieles (immer noch) trostlos.

unbefestigte Straße
Schotterpiste in Port-au-Prince

Minutenlang schaukelt mich der Fahrer Hypolythe über die Schotter-pisten. Schlaglöcher so groß wie Luxusbadewannen werden schwungvoll umfahren, überall wird heftig gehupt und gewunken. Immer wieder bricht der Verkehr zusammen. An verkommenen Zelt-siedlungen kommen wir alle paar Meter vorbei. Hypolythe erzählt, dass nur wenige seiner Landsleute Arbeit haben. Was auf mich trostlos wirkt ist auf keinen Fall hoffnungslos. Die Straßenränder sind voll von kleinen Marktständen. Alles wird angeboten: Knabbersachen, künstliche Fingernägel, Getränke, Fliesen, Schuhe und Kleider aus deutschen Altkleidercontainern u.v.m. Scheinbar jeder hat Hoffnung etwas zu verkaufen und sich etwas dazu verdienen zu können. Was mich besonders fasziniert: Egal wie chaotisch die Verhältnisse in Haiti sind, die Menschen legen größten Wert darauf,  sich gut zu kleiden und chic zu machen. Die Haitianer sind arm, aber Sie strahlen eine große Würde aus und demonstrieren Ihren Glauben und Ihre Hoffnung. Farbenfrohes Zeichen hiervon sind die privaten Pickup-Taxis und Busse. Sie sind kunstvoll verziert. Praktisch jeden schmücken Sprüche wie: „We trust in Jesus“ oder Psalm 23.

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