Äthiopien: Aids-Aufklärung im Schulunterricht

(MH) Aids – in Äthiopien ein großes Thema. Zwar geht die Zahl der Infizierten nach offiziellen Angaben zurück. Mit sieben Prozent ist sie jedoch nach wie vor hoch. Auf dem Land liegt sie deutlich über dem Schnitt, ebenso in den Kasernen nahe der Grenze zu Eritrea.

Es gibt Risikogruppen wie Soldaten, Prostituierte oder Lkw-Fahrer, und doch kann es jeden treffen. Das ist auch die Botschaft, die den Schülern der integrativen Grundschule in Adigrat vermittelt wird.

Aids wird im Schulunterricht thematisiert. (Foto: Markus Harman)
Aids wird im Schulunterricht thematisiert. (Foto: Markus Harmann)

Kinder mit und ohne Hör-Behinderung lernen hier gemeinsam. Alle tragen Schuluniform: türkises Shirt, brauner Pullover, schwarze Hose. Wer ein Handicap hat, fällt nicht auf. Ein schönes Bild, die Kinder sind fröhlich und neugierig. Sie fragen nach unseren Namen, die sie nie zuvor gehört haben, und lachen sich, als wir antworten, scheckig. Und doch hat unser Besuch etwas Bedrückendes. Die Kleidung ist häufig zerfetzt, seit Jahren getragen. Die Ausstattung der Klassenräume spärlich. Tische, Bänke, eine Tafel.

An der Tafel hängen Motive verschiedener Berufsgruppen: Krankenschwester, Lkw-Fahrer, Student, Priester, Verkäufer. Die kleinen Schüler sollen sagen, wer sich mit dem HI-Virus infizieren könnte und wer nicht. Sie machen dass in Worten und Gesten, zwei Schülerinnen dolmetschen mit Gebärden. Am Ende sind alle Berufsgruppen unter dem Schild HIV/Aids sortiert. Die Botschaft: Jeden kann es treffen, achtet auf Euch!

Welche Folgen Aids hat, das wissen viele Schüler aus eigener Anschauung. In der eigenen Familie, in der Nachbarschaft – überall leben Menschen mit Aids oder sind bereits daran gestorben. Schüler verloren ihre Mutter oder ihren Vater, manchmal sogar beide. Und dennoch hat Aids den Schrecken vergangener Jahre verloren: Wird die Krankheit medikamentös behandelt, kann man fast ein normales Leben fühlen. Ein bisschen Disziplin gehört dazu – und Mut, zur Krankheit zu stehen.

Die äthiopische Caritas organisiert und finanziert nicht nur den Aufklärungsunterricht. Sie hat auch eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Zweimal im Monat kommen auf dem Gelände der katholischen Kirche Dutzende Frauen und Männer zusammen. Sie reden, trinken Kaffee und wissen: Sie sind nicht allein mit ihrer Krankheit. „Ich erinnere mich gut“, sagt Father Teum, Generalsekretär der Katholischen Kirche in Adigrat, „als wir von einer Beerdigung zu anderen gingen. Die Menschen starben und starben. Das ist fast Geschichte – und auch ein kleines Wunder.“

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