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Äthiopien: Arbeitsmigrantinnen werden aus Saudi-Arabien ausgeflogen

(MH) Äthiopien holt gerade bis zu 100.000 Arbeitsmigrantinnen aus Saudi-Arabien zurück, die dort wie Sklaven behandelt wurden. Die Aktion hält das ganze Land in Atem, auch die Caritas, die involviert ist. In den internationalen Medien findet dieses tragische Thema bisher kaum Beachtung.

Auf dem Rollfeld des Flughafens in Addis Abeba in Äthiopien parkt eine Boing 747 einer saudischen Fluggesellschaft. Im Airport-Gebäude stapeln sich Säcke mit der Aufschrift „Kingdom of Saudi Arabia“. Sie enthalten keine Nahrungsmittel, sondern das Hab und Gut von Äthiopierinnen. Die Frauen gingen vor Jahren nach Saudi Arabien, um als Haushälterinnen zu arbeiten. Tatsächlich wurden sie behandelt wie Sklavinnen. Ausgenutzt, geschlagen, häufig missbraucht. Jetzt hat die Regierung Saudi Arabiens die oft schwer traumatisierten Frauen aus dem Land geworfen. Von heute auf morgen. Eine dramatische Wende in einem verheerenden Fall von Ausbeutung. Es soll bis zu 100.000 Frauen betreffen, die nun abgeschoben werden. Gleichzeitig startet Äthiopien eine gigantische Rückholaktion: Bis zu 13 Maschinen der Ethiopian Airlines fliegen täglich die Migrantinnen und Migranten aus Saudi Arabien zurück in die Heimat.

Das ist der Grund, warum unser Treffen mit dem Erzbischof von Addis Abeba abgesagt wurde. Der Kirchenmann wurde zum Flughafen gerufen um zu verhandeln. Mit Vertretern anderer Religionen und Konfessionen und mit Mitarbeitern der Regierung. Jetzt geht es darum, die Frauen (und manche Männer) in Äthiopien aufzufangen, ihnen Schlafplätze zu bieten und sie psychologisch zu betreuen.

Diese Massenabschiebung zeigt die dramatischen Auswirkungen der Arbeitsmigration. Hunderttausende Äthiopier verlassen Jahr für Jahr ihr armes Land, in dem sie keine Perspektive für sich sehen. Es zieht sie häufig in die arabischen Staaten. Geködert werden sie mit gut dotierten Jobs in reichen Familien. Was sie erwartet, ist Sklavenarbeit.

Abba Hagos, der Direktor der Caritas Äthiopien. (Fpto: Markus Harmann)
Abba Hagos, der Direktor der Caritas Äthiopien. (Foto: Markus Harmann)

Der Chef der äthiopischen Caritas, Abba Hagos, erzählt uns, dass der äthiopische Außenminister, Tewodros Adhanom, nach Saudi Arabien gereist ist, um sich persönlich ein Bild zu machen von den Zuständen, unter denen die Frauen leben. Er sei vollkommen geschockt zurückgekehrt, und habe, als er ihm von den Verhältnissen erzählte, geweint. Die Frauen seien zum Teil auf der Straße abgefangen und in Lager gesteckt worden. Jetzt müssen sie raus, oft nur mit dem, was sie am Körper haben. Was sind die Gründe? Abba Hagos vermutet, die Stimmung in Saudi Arabien wende sich gegen die Immigrantinnen. Immer mehr Saudis seien arbeitslos und beanspruchten die Jobs der Migranten. Aktuelle Berichte dazu sind nachzulesen auf der Facebook-Seite des äthiopischen Außenministers.

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