Deutschland: 800 Euro für einen 24-Stunden-Job

HOP_7731Ich treffe immer wieder auf Menschen, die sagen: Die Pflegehelferinnen aus Osteuropa nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg. Das sind nicht nur Stammtischparolen. Es sind auch Aussagen von karitativen Vereinen und Mitarbeitern traditioneller Pflegebetriebe wie der Sozialstation. Als ich mein Projekt aufgebaut habe, stand ich ziemlich alleine da.

Diese Menschen sollten aber sehen: Wir brauchen die Hilfe aus Osteuropa. Wer kann sich schon einen Pflegeplatz für mehrere tausend Euro im Monat leisten? Bei Kritik und Konkurrenzangst antworte ich mit einer klaren Gegenfrage: „Arbeitest du 24 Stunden für 800 Euro im Monat? Tag und Nacht?“ Bei unseren Treffen haben mir Frauen erzählt, dass sie nachts bei den Demenzkranken im Bett liegen und sich um sie kümmern. Man liegt da neben einer eigentlich fremden Person, kann nie abschalten und hat kaum Kontakt zu anderen Menschen.

Das wollen wir ändern und die Frauen einmal in der Woche für ein paar Stunden von ihrer Arbeit wegholen. Dieses Projekt auf die Beine zu stellen, war nicht einfach. Meine Anfragen für eine Zusammenarbeit wurden oft nicht beantwortet oder ignoriert.

Als ich Kontakt mit einer Vermittlungsagentur für osteuropäische Pflegehelferinnen aufgenommen hatte, wurde ich angehalten, mich aus diesen Dingen raus zu halten. Diesen Ratschlag habe ich ignoriert und weiter Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Es gibt viele, die immer noch nicht hinsehen wollen, aber es werden weniger.

Linktipp: Eine Arbeitshilfe der Caritas erklärt, wie Haushaltshilfen aus Osteuropa legal beschäftigt werden können.

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