Deutschland: Moderne Sklaverei mitten in Europa

DCV_Blog_Gerda-DilgerZu unseren Treffen ausländischer Pflegekräfte kommen viele Frauen, die eigentlich überqualifiziert sind, um solche Jobs für dieses Geld zu machen. Oft werden sie ausgebeutet und arbeiten zu Dumpinglöhnen.

 

Da ist zum Beispiel eine Lehrerin aus Polen. Ich nenne sie hier Malwina. Ihre Schule wurde geschlossen, weil es kaum noch Schüler gab. So verlor Malwina ihren Job. Eine andere Frau aus Polen, Irina, ist eigentlich schon in der Rente, bekommt aber so wenig, dass sie davon nicht leben kann. Beide kamen nach Deutschland, um mehr Geld zu verdienen.

Es ist doch so: Wir brauchen diese Frauen im alternden Deutschland. Die Lücke wird größer, viele Familienangehörige können oder wollen ihre Verwandten nicht pflegen. Eine Rundumbetreuung können sich Normalverdiener nicht leisten. Und für Frauen wie Malwina ist eine Vollzeitstelle 200 Kilometer entfernt von ihrer Familie mit Dumpinglohn immer noch attraktiver als das Arbeitslosengeld in ihrer Heimat. Trotzdem frage ich mich oft: Wer sorgt sich in Polen und den anderen Ländern um die alten, kranken Menschen? Pflegekräfte wie Irina fehlen doch im eigenen Land.

Und wie die Frauen hier behandelt werden, erscheint oft wie Sklaverei im 21. Jahrhundert. Das geht in Malwinas und Irinas Fall schon seit zehn Jahren so. 2004 war das Jahr, in dem Polen der EU beitrat. Seitdem dürfen polnische Unternehmen Mitarbeiter nach Deutschland entsenden. Und seitdem haben viele Vermittlungsagenturen und Mittelsmänner ein Milliardengeschäft mit den Frauen gemacht.

Was die Zukunft betrifft: Wir hoffen, dass unser bisher einzigartiges Projekt Nachahmer findet. Es hat zwei Jahre gedauert, bis wir unser erstes Treffen veranstalten konnten und nochmal eine ganze Weile, bis wir von der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen wurden. Uns geht es nicht darum, ein ganzes System zu ändern, das ist Aufgabe der Politik. Wir wollen einfach nah am Menschen sein, den Leuten zuhören und sie und ihre Probleme ernst nehmen. Das kostet sehr viel Zeit. Aber es lohnt sich.

Mehr Infos zum Projekt:

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Ein Gedanke zu „Deutschland: Moderne Sklaverei mitten in Europa“

  1. Liebe “Blogger”. Ich hätte mich in den letzten acht Monaten sehr “über eine solche Anna” gefreut, denn ich habe die andere Seite der ‘Medaille’ kennen gelernt. Quasi über Nacht benötigte ich für meinen Mann (fast zwanzig Jahre Parkinson) eine für normale Einkommensverhältnisse “BEZAHLBARE” Betreuung. Guter Rat war gefragt; überall … bei den Fachärzten, Hausärzten, im Internet gesucht. Letztendlich kam der erlösende Tipp vom Hausarzt. Kontakt aufgenommen, Rahmenbedingen für beide Seiten “sehr wohl einvernehmlich” abgesprochen. Die erste Dame kam, fand alles wunderbar (war ja auch ein modernes Haus, ein sehr schönes neu eingerichtetes Zimmer). Kaum hatte die Dame Fuss gefasst, ging die Nörgelei los; das Essen passte ihr nicht (sie hätte ja selbst kochen können), auch ich (15 Jahre jünger als mein Mann), passte nicht in ihr Konzept; Sie konnte nicht “Herrin im Haus” sein, versuchte meinen Mann gegen micht aufzuhetzen. hat mir das Leben wo immer es auch ging schwer gemacht. Sie musste nicht waschen und auch nicht bügeln; sie wollte nicht kochen, sie musste meine persönlichen Räume nicht putzen …
    nach zwei Monaten war ich froh, dass die Zeit vorüber war, denn ich war kurz davor ein Magengeschwür zu bekommen. (Für meinen Mann hätte ich sogar das noch in Kauf genommen, denn sie war eine ausnahmslos gute Pflegerin). Dann kam die Nr. Zwei; wiederum eine SUPER Pflegekraft, einfach Klasse. Ähnliche Zustände, kochte auch nicht … aber auch sie konnte nicht Herrin im Haus sein, was sie allerdings elegant umschiffte, in dem sie mir erst bei der Verabschiedung mitteilte, dass sie aus diesem Grund (nicht allein im Haushalt entscheiden zu können) nicht wieder käme. Dann kam Nummer Drei, ein Goldstück (meinte man). erstmalig auf EU-Auslandseinsatz. Sie war liebevoll zu. meinem Mann, machte, wie auch die beiden Vorgängerinnen, jeden Morgen 20 Minuten physiotherapeutische Übungen. Sie blieb drei Monate … Juhu …. Aber auch sie kochte nicht! Zwei Wochen vor Ablauf der drei Monate kam mein Mann in die Klinik. (sie war somit “arbeitslos”) … wir gingen in München bummeln, gingen u. a. zusammen essen, in das beste Steakhouse in München und besaß dann noch die Frechheit für nicht genommene freie Tage (nicht nicht gegebene) finanzielle Nachforderungen zu stellen. Während des Aufenthalts bezahlte ich die Bahntickets, alle Eintritte in die Münchner Museen etc. etc.
    Was nach Nummer drei kam, wünsche ich keinem Pflegehaushalt. die Dame wurde mir vermittelt als sehr erfahrene Pflegerin, seit 12 Jahren in diesem Beruf in Deutschland tätig. Ja, sie hatte eine große Klappe … kochen ‘konnte’ sie, aber alles wurde mit viel Sahnesoße versehen, so dass weder die Beilagen noch das Hauptgericht einen Geschmack hatten. Mein Mann hieß auf einmal nicht mehr Karl, Wilhelm, Günter oder Hans, nein er war nur noch der HALLO!!!!
    ich versuchte mit der Dame zu reden, hatte aber keine Chance gegen das Stimmwunder anzukommen. Also nahm’ ich all’ meinen Mut zusammen (ich brauche ja jemanden) und eröffnete ihr ganz ruhig und sachlich, dass es wohl besser sei, wenn sich unsere Wege trennen. Sie stürmte zu ihrem Handy, rief die Freundinnen, ihre Schwestern (die ebenfalls in D arbeiten) und Gott-weiß-wen-noch an, um mir dann ganz frech zu sagen, dass sie bestimme, wann sie fährt und wenn mir das nicht passen würde, ginge sie zur Polizei. Sie hätte dies schon einmal getan und die damalige Auftraggeberin wäre mit eine hohen Strafe belegt worden. Ich bin sehr froh darüber, dass sie zwischenzeitlich (sie hat bestimmt wann) unser Haus verlassen hat.
    Allesamt waren es Frauen aus Litauen!!! Eigentlich unserem Kulturkreis angehörend, was allein der ausschlaggebende Entscheidungsfaktor für unsere Wahl war.

    LIEBE ANNA … wo bist du?

    Jetzt lebe ich mit der Tatsache, niemanden zu haben. Legal … würde ich liebend gern machen; habe mit den guten Agenturen gesprochen … alles kein Problem jemanden zu bekommen, nur stellt sich sicher nicht nur für mich die Frage, wie soll man das finanziell stemmen, wenn die Rente 2.970,00 ist, ab 1.1.2015 der Mindestlohn auch für osteuropäische EU-Pflegekräfte gesetzlich mit 8,50 € festgelegt ist und eine legale gute Pflege mit akzeptablen deutschen Sprachkenntnissen bei monatlich über 2.300,00 € liegt. Bei Pflegestufe II gibt es monatlich 18,00€ mehr, dafür wird aber die Pflegeversicherung auch wieder nach oben angepasst.

    Liebe Politiker … bitte endlich mal zurück in die nackte Realität kommen und nicht nur an den eigenen Geldbeutel bzw. die Altersversorgung (Pensionsanpassungen auf welchem Weg auch immer) denken.

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