Tansania: Dialogreise vom 28. November bis 6. Dezember

Tag 1 – Samstag, 28. November 2015: Links die teilweise schneebedeckten Berge des Balkans, unten die blaue Adria. Wir sind vor anderthalb Stunden in Amsterdam gestartet zur Dialogreise Tansania. Noch sechseinhalb Stunden bis zum Kilimanjaro-Airport in Arusha und dann noch ein Hopser nach Daressalam.

2015_Tansania_Dialogreise
Straßenszene Foto: Harald Westbeld

Dialogreise? Jedes Jahr um diese Zeit führt sie in ein anderes Land zu Hilfsprojekten, die von Caritas international unterstützt werden. Leitende Caritas-Mitarbeiter, Geschäftsführer und Direktoren informieren sich vor Ort. Christine Wegner-Schneider organisiert und begleitet sie ebenso wie Oliver Müller, Leiter von Caritas international. Es geht nicht um das Sammeln von Spenden. Wenn danach doch welche eingehen, ist das ein schöner Nebeneffekt. Aber Sinn und Zweck ist, die Caritas vor Ort kennenzulernen, die weltweite „Caritas-Familie“ zu erleben. Klingt pathetisch, aber dieses Gefühl ist immer gleich da. Es wird auch in Tansania gelingen.

Genug Zeit für ein paar Gedankenausflüge. In der Vorbereitung auf diese Reise kamen viele Erinnerungen an meine erste Dialogreise 2007 in den Niger hoch, mein erster und besonders eindrücklicher Kontakt mit Afrika. Das eindrücklichste Bild? Interessanterweise nennen auch Oliver und Christine beim Zusammentreffen in Shipol das gleiche: Ein halbes Dutzend Touareg auf ihren Dromedaren, hoch aufgerichtet auf einer kleinen Düne im Gegenlicht der untergehenden Sonne. Wir hatten uns auf der Fahrt mit den Pickups auf den Sandwegen verspätet, etwas vorwurfsvoll sahen sie aus.

So wie im Niger damals. Eine hochprofessionelle Caritas in einem zu über 95 Prozent muslimischen geprägten Land, die aus geringen Mitteln kreative Projekte organisiert. Interessant zu sehen für uns, die wir in eher gesicherten sozialstaatlichen Strukturen leben. Auch etwas von dem Pragmatismus, mit dem Probleme gelöst werden, könnte uns gut tun. Wenn es so wenige Katholiken im Land gibt, sind schwerlich alle Posten, zumal auch die leitenden, mit ihnen zu besetzen. Da ist auch ein muslimischer Diözesancaritasdirektor in der nigrischen Diözese Maradi möglich.

Einer der vielen faszinierenden Eindrücke damals. Weitere: Der fröhliche Kinderlärm trotz bitterer Armut, der uns in Niamey immer umgab, die immer noch sauberen Schuluniformen der Kinder nachmittags bei Schulende trotz des in der Hauptstadt zum Abend immer dicker werdenden feinen Staubes gemischt mit Rauch. Oder die stolzen Frauen, die den Getreidespeicher des Dorfes verwalteten, ein Mann war nur beteiligt, weil er als einziger lesen und schreiben konnte und deshalb die Bücher nach Anweisung der Frauen führen musste. Oder die Genossenschaft der Frauen, die mit Sparbeiträgen von zehn oder 20 Cent im Monat und einem Mikrokredit der Caritas eine Ziegenzucht und Seifenproduktion aus den Samen des Neem-Baumes aufgebaut hatte.
Niger ist seit langem eines der ärmsten Länder weltweit und das Überschwappen des Islamismus von Boko Haram aus dem Nachbarland Nigeria wird die Entwicklungschancen noch verringern. Mit einer der höchsten Geburtenraten überhaupt, aber nicht vermehrbarem Acker- und Weideland, das rein rechnerisch schon für die vorhandene Bevölkerung nicht ausreichen kann, ist es auf Hilfe angewiesen. Zu wenig Regen fällt hier, das zarte Pflänzchen Tourismus ist längst zerstört durch die Touareg-Aufstände im Norden.

Die Voraussetzungen in Tansania sind da deutlich günstiger. Die Serengeti und der Ngorongo-Krater als touristische Hotspots, fruchtbares Ackerland und Bodenschätze sollten für ein Auskommen sorgen. Trotzdem besetzt das Land den 159. Platz von 174 im Entwicklungsindex. Warum? Auch das werden wir versuchen, in Gesprächen mit unseren Partnern der Caritas Tansania zu ergründen. Vor allem Projekte für Kinder werden wir besuchen. Um Chancen für Straßenkinder und Bildung und um Kinder mit Behinderungen wird es gehen.

Spannende Tage für unser Dutzend aus Caritas-Geschäftsführern und -direktoren sowie Kollegen des Deutschen Caritasverbandes und Caritas international. Weniger spannend als im Niger wird es wohl bei den Übernachtungen werden. Die waren damals schon etwas Besonderes. Sowohl die schwer beschreibbaren sanitären Verhältnisse in den besten Häusern am Platz, nachdem wir das Gästehaus des Bischofs in Niamey verlassen hatten, auf der einen Seite und andererseits die unvergessene Nacht unter dem sternfunkelnden Wüstenhimmel auf den harten Matten der Hirtennomaden, wo die Entscheidung fallen musste, die einzige Jacke als behelfsmäßige Decke oder als Kopfkissen zu nutzen.

Nur Oliver hatte eine Decke bekommen, weil er sein „Bettgestell“ unter freiem Himmel hatte aufstellen lassen wegen des ungetrübten Blicks. Wir anderen bekamen Zelte, aber das waren auch nur Dächer ohne Wände. Dafür umringten ihn frühmorgens staunend und neugierig die halbwüchsigen Mädchen. Ein weißer Mann, der auf das schützende Zelt verzichtet, muss sehr exotisch für sie gewesen sein.

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