Tansania: Dialogreise vom 28. November bis 6. Dezember

BeTag 3 – Montag, 30. November 2015: In Tansania wird gerade viel gebaut. Und das unüberhörbar. Vor unserem Gästehaus der Tanzanian Episcopal Conference, kurz TEC, dröhnt eine Straßenwalze. Ein riesiges Straßenkreuz zum Hafen entsteht, geplant von einer chinesischen Firma. Wir waren heute beim Tanzanian Institute for Education zu Besuch.

Wenn wir kreuz und quer über Sandberge und durch Mulden dadurch kreuzen, um zum TEC zu gelangen, erscheint das wenig planvoll. Aber wahrscheinlich wird es schneller fertig als der Berliner Flughafen…

Besuch beim Tanzanian Institute for Education

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Der Eingang zum TIE. Hier waren wir – Gott sei Dank – in einer korruptionsfreien Zone. Foto: Harald Westbeld

Weit mehr Plan haben wir heute Morgen kennen gelernt im TIE, dem Tanzanian Institute for Education, das im Auftrag des Bildungsministeriums die Lehrpläne bis zur Sekundarstufe erstellt. Da bahnt sich gerade eine Revolution an und an der ist die Caritas Deutschland nicht ganz unschuldig. Sie hat die Erarbeitung eines neuen Bildungskonzepts finanziert, das den Kinder im jüngsten Alter etwas ersparen und ihnen danach helfen könnte.

Bislang ist verlangt, dass alle Kinder schon in der „Preschool“, im Grunde unserem Kindergarten, Lesen, Schreiben und Grundbegriffe der Mathematik lernen – zählen bis 10, aber nicht unbedingt wissen, wozu das gut ist. Die CSSC, der Zusammenschluss von Evangelischer und Katholischer Kirche in Tansania mit dem vollen Namen Christian Social Services Commission, hat das TIE und damit die Regierung überzeugt, dass es mehr Sinn macht, den Kindern erst einmal soziale Kompetenzen zu vermitteln, sie mit ihrer Umwelt vertraut zu machen.

An zwei Modellprojekten haben sie es gezeigt und offensichtlich war es sehr überzeugend. Das Konzept liegt vor, jetzt muss es umgesetzt werden. Das wird ein wenig dauern und noch viel Überzeugungsarbeit bei Erziehern, Lehrern und vor allem auch Eltern bedürfen. Da unterscheiden sich manche nicht von deutschen Eltern, denen die schulische Bildung gar nicht früh anfangen kann. Und andererseits kennen viele Eltern in Tanzania Schule nicht aus eigener Erfahrung.

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Caritas international-Leiter Oliver Müller und Caritas international-Afrika-Referent Wolfgang Fritz beim CSSC. Foto: Harald Westbeld

Was das CSSC angeht, ist es mal umgekehrt. Hier könnte Tansania uns in der Entwicklung voraus sein. 1992 haben sich die beiden Kirchen zusammengetan und quasi einen Tansanischen Caritasverband-Diakonisches Werk Tansania gegründet. 156 Mitarbeiter arbeiten hier, vor allem finanziert von Misereor und Brot für die Welt. Die gemeinsame Stimme, die rund 40 Prozent der Bevölkerung religionstechnisch vertritt, ist stark und damit ein guter Partner für die Regierung.

Voller Eindrücke sind auch immer wieder die Fahrten zu den Terminen, häufig nur wenige Kilometer, aber trotzdem lang und viel Muße bietend, das Alltagsleben zu beobachten. Auf dem Hinweg zogen sich über weite Strecken Stände hin, die Wagenheber und Feuerlöscher anboten, einer nach dem anderen. Auf dem Rückweg haben wir die „Schmiedestraße“ passiert. Am Straßenrand wurde einem Geländewagen gerade ein neuer „Kuhfänger“ geschweißt und angepasst.

Langweilig wird es nie. Und kalt auch nicht, fast 30 Grad im Zimmer, etwas mehr draußen. Aber morgen geht es nach Arusha ins Hochland. Da wird es gemäßigter und eine Dampfwalze gibt es da hoffentlich nicht…

 

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