Tansania: Dialogreise vom 28. November bis 6. Dezember

Tag 3 – Montagnachmittag und -abend, 30. November 2015: Kontraste: Am Straßenrand schweißt der Schmied mit bloßem Oberkörper einen neuen Kuhfänger für den Toyota-Geländewagen, auf dem Boden ausgebreitet schneidet nebenan sein Nachbar den Stoff zu und wir bekommen bei der Caritas eine Powerpoint nach der anderen zu sehen.

Viele Folien, reichlich Text und Erklärungen dazu, Fachbegriffe, die wir aus dem theoretischen Teil unserer Arbeit gut kennen. Montag war der Tag der Theorie in diesem Sinne.

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Termin bei der Caritas Foto: Harald Westbeld

In vielerlei Hinsicht ist Afrika auf dem Weg. Die Menschen auf der Straße ständig unterwegs in ihren Alltagsgeschäften, die meisten zu Fuß. Die Gesellschaft ist auf dem nicht immer geraden Weg von der Tradition in die Moderne, der Meinung ist Stella – das erklärt sie abends beim Empfang des Bischofs. Sie ist Masai, lebt in Arusha mit ihrem Mann und den drei Kindern, verdient für tansanische Verhältnisse gut bei der Caritas. Eher ungewöhnlich, denn die Masai, insbesondere die Männer, versuchen, sich an alte Traditionen zu klammern: Viele Frauen, die praktisch die gesamte Arbeit einschließlich des Hausbaus erledigen und nichts zu sagen haben. Doch das Weideland reicht nicht mehr, sie sind, so erzählt Stella, gezwungen, sich Jobs zu suchen und sich daran zu gewöhnen, dass ihre Kinder Bildung brauchen. Am Mittwoch werden wir Vorschulprogramme im Masai-Gebiet besuchen.

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Straßenschmiede Foto: Harald Westbeld

Das Nachgespräch mit Stella und ihrer Kollegin Mary lässt, je tiefer es geht, umso mehr Gemeinsamkeiten bei allen kulturellen Unterschieden erkennen. Kinder- und Enkelkinderfotos werden gezeigt.

Gemeinsam ist auch die Flüchtlingskrise. Bis zu 175.000 Flüchtlinge aus Burundi werden in Tansania bis Jahresende erwartet. Die Caritas registriert sie und versorgt sie auf dem Weg zu den rund 200 Kilometer von der Grenze entfernten Camps. Da sie mit nichts kommen, hätten sie keine Chance, den Weg bis dorthin zurückzulegen. Teilweise werden sie auch mit dem Boot über den Tanganjika-See transportiert.

Ihre Perspektive? Sie werden bleiben, ist sich der Caritas-Kollege sicher, der uns die Situation im Detail erläutert. Fliehen sie, verlieren sie ihr Land und haben keine Rückkehrmöglichkeit. Wir werden sie integrieren müssen, sagt er völlig gelassen. Land sei genug da. Tansania ist viermal so groß wie Deutschland und da verteilen sich knapp 50 Millionen Einwohner. Trotzdem: Es ist eben eines der ärmsten Länder. Schön, wenn wir als reiches Land die Flüchtlingsherausforderung auch so gelassen angehen könnten.

Sorgen hat den Tansaniern eher die letzte Wahl vor kurzem gemacht. Das Land war tief gespalten zwischen zwei fast gleich großen Lagern, die Stimmung war angeheizt und die Angst groß, dass es zu Unruhen kommen könnte. Es ist noch gut gegangen. Spannungen gab es vor kurzem auch zwischen radikalen Muslimen und den christlichen Kirchen auf Sansibar, das überwiegend muslimisch geprägt ist. Die ließen sich wieder beruhigen, ist Erzbischof Beatus Kinyaiya von Dodoma froh, der uns am Nachmittag und Abend begleitet. Angesichts der zahlreichen Konflikte in afrikanischen Ländern ist Tansania ein gutes Beispiel. Alle Regierungswechsel verliefen friedlich, bei den Präsidenten wechselten sich Muslime und Christen immer ab. Sie stellen je 45 Prozent der Bevölkerung, der Rest hängt Naturreligionen an.

Bildung bietet da sicherlich eine Chance, dass es friedlich bleiben kann. Eine Riesenanstrengung für das große Land. Es besteht Schulpflicht und sogar Kindergartenpflicht. Teilweise aber nur auf dem Papier mangels Schulen und zu weiter Wege, wenn es sie gibt. Aber wir gewinnen das Gefühl, dass Tansania wirklich Wert darauf legt und das Ziel einer Bildung für alle erreichen will.

Wie, das erfahren wir am Dienstagnachmittag in Arusha erst einmal in der Theorie und am Mittwoch im Feld. Vor den Straßen wurden wir von Stella und Mary schon gewarnt. Auch die könnten eine neue Erfahrung werden.

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