Von Vorurteilen umzingelt

Felix Schneider arbeitet als Teilnehmer des „weltwärts“-Programms seit knapp sechs Monaten in einem Projekt von Caritas international in Durban/Südafrika. Sein Arbeitsplatz ist eines der größten „Townships“ (Armenviertel) des Landes: Umlazi. Über seine Erfahrungen berichtet er in unserem Blog.

Afrika ist ein Kontinent, der vielen Menschen aus Europa eher unbekannt ist, dennoch haben die meisten ein Urteil dazu.

Und dieses Urteil ist oft wenig schmeichelhaft für die Einheimischen.

Vorurteile sind ganz natürlich und schützen auch uns selbst vor Gefahren. Jedoch ist es genauso wichtig, offen zu sein, um diese Vorurteile teils zu widerlegen und seinen Horizont zu erweitern.

In meinem Arbeitsalltag halte ich mich in einer Umgebung auf, die von negativen Vorurteilen quasi umzingelt ist: Umlazi, eines der größten Townships des ganzen Landes umfasst mehr als eine halbe Millionen Bewohner (genaue Zahlen gibt es dazu nicht).

 

Umlazi – eines der größten Townships des Landes. Gewalt und Drogen bestimmen das Leben vieler Menschen, ebenso wie sie die Außenwahrnehmung bestimmen. Dabei ist Umlazi genauso vielseitig wie die Stadt Durban selber.
Foto: Felix Schneider

Viele Menschen denken, ein Township habe nichts zu bieten außer Wellblechhütten, Armut und Gewalt

Townships sind Viertel, die vor allem auf die Rassentrennungspolitik während der Apartheid zurückzuführen sind und in denen noch heute viele der Bewohner in Armut leben. Und doch ist Umlazi ständig im Wandel. Es fällt mir schwer, DAS Township Umlazi zu beschreiben, da es aus mehr als 30 Sektoren besteht, die wiederum selbst ein eigenes „Viertel“ bilden. Doch der Bereich, der mir bisher bekannt ist, ist genauso vielschichtig wie die Stadt Durban.

Nein, Umlazi besteht nicht nur aus Wellblechhütten mit daran befestigten Satellitenschüsseln, sondern umfasst des Weiteren große, neugebaute Supermärkte, teure Restaurants, die gerade junge Menschen aus der Stadt am Wochenende ins Township ziehen, ein mehr oder weniger geordnetes System öffentlicher Verkehrsmittel, viele Schulen und auch einen Ableger der Technischen Universität.

Eine ganz andere, vielen Menschen unbekannte Seite des Townships, nur wenige hundert Meter entfernt. Auch junge Menschen aus der Stadt zieht es am Wochende nach Umlazi.

Aufeinander zugehen und reden!

Ich möchte damit nicht die Situation vieler in Armut lebender Bewohnerinnen und Bewohner schönreden – doch wer, wie ich, noch nie zuvor ein Township betreten hat, den mag die Vielseitigkeit der sogenannten Armenviertel wohl überraschen.

Leider dominieren trotz allem Kriminalität und Drogen das Leben vieler Bewohner, erzählt mir meine Mitarbeiterin. Und trotzdem habe ich hier so viele Menschen kennengelernt, die mir gastfreundlich und höflich  begegnet sind.

Was ich in den vergangenen sechs Monaten gelernt und erlebt habe, ist, wie wichtig Kommunikation und das aufeinander Zugehen ist. Und, dass alles Fremde dir irgendwann bekannt und vertraut vorkommen kann.

Als ich anfangs mit dem Bus im Township ankam, schauten mir die Menschen hinterher. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Berührungspunkte sowohl mit der Sprache isiZulu als auch mit der Umgebung hatte, kam mir alles sehr fremd vor.

Nun sind einige Monate verstrichen und ich werde begrüßt und aufgenommen, als wäre ich einer der Mitbürger. Und was genau führte dazu? Wahrscheinlich war es genau das: Aufeinander zugehen und reden.

Nicht nur bei der Arbeit hat mir das sehr geholfen und mich von Barrieren befreit, sondern auch im Alltag. Gerade in einem Land wie Südafrika, welches von so vielen unterschiedlichen Traditionen, Sprachen und Völkern geprägt ist, ist Kommunikation und Begegnung auf Augenhöhe unheimlich wichtig.

Felix Schneider (vorne rechts) beim Arbeiten im Caritas-Projekt: „[…] Begrüßt und aufgenommen, als wäre ich einer der Mitbürger“.

Wie ist das in Deutschland?

Ich finde, das lässt sich auch auf Deutschland übertragen. Zwar gibt es in der Bundesrepublik nicht ganz so viele Kulturclashs (also Zusammenstöße), aber gerade in Zeiten wie heute, in denen Rassismus und Antisemitismus wieder zunehmen, muss man ein Zeichen setzen. Der erste Schritt für ein vernünftiges, also ein gleichberechtigtes und sicheres Zusammenleben, sind Begegnungen und Gespräche.

Lasst uns also aufeinander zugehen und miteinander reden!

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.