Corona kommt in Tadschikistan „nur” langsam an

Seit der letzten Märzwoche arbeiten alle Mitarbeitenden von Caritas Deutschland in Tadschikistan im Homeoffice. Zudem haben sie geplante Schulungen, Seminare und Workshops abgesagt. Die Mitarbeitenden konzentrieren sich im Moment darauf, präventive Corona-Maßnahmen zu erarbeiten. Samariddin Bahriddinov, Kommunikationsbeauftragter im tadschikischen Caritas-Büro, gibt Einblick in das langsame Ankommen der Pandemie in Tadschikistan.

Ein Gerücht hinter sicheren Mauern

Als weltweit immer mehr COVID-19-Fälle gemeldet wurden, schloss die tadschikische Regierung schnell die Grenzen zu Nachbarländern wie Afghanistan, China und Usbekistan. Alle Einreisenden müssen in eine 14-tägige Quarantäne. Dafür wurden Krankenhäuser, Erholungszentren und Sanatorien umgerüstet. Durch diese Maßnahmen konnte eine Ausbreitung der Pandemie in Tadschikistan verhindert werden, sagen Regierungsvertreter. So wurde auch kein Anlass dafür gesehen, die Feierlichkeiten zum Neujahrsfest (Nawruz) am 20. März abzusagen. Die Medien berichteten mit Stolz über die erfolgreiche Feier mit 12.000 Besuchern.

Ende März sah die tadschikische Regierung keinerlei Anlass für eine Absage der Großveranstaltung mit rund 12.000 Besuchern zum Neujahrsfest.

Man wiegt die Bevölkerung im Glauben daran, hinter den hochgezogenen Mauern vor dem Virus in Sicherheit zu sein. Daran ändert auch das von der Regierung dementierte Gerücht nichts, dass einige Todesfälle in verschiedenen Regionen des Landes durch COVID-19 verursacht wurden. Hierbei handele es sich laut Gesundheitsministerium um Patienten, die an Tuberkulose, Herzkrankheiten und Lungenentzündung gestorben sind.

Langsam hält sich die Bevölkerung an die Empfehlungen

Überall im Land werden Kampagnen zur Sensibilisierung durchgeführt. Doch nur wenige Menschen halten sich an die einfachen Regeln. Kaum jemand trägt Gesichtsmasken, hält den Abstand zu anderen Menschen ein oder verzichtet auf den Händedruck zur Begrüßung. Öffentliche Orte wie Märkte, Schulen und Kindergärten haben weiterhin ganz normal geöffnet. Auch der öffentliche Nahverkehr läuft uneingeschränkt weiter. Versammlungen von vielen Menschen unterliegen bisher keinen strengen Beschränkungen. Langsam ist jedoch eine Veränderung zu beobachten. Seit drei Wochen darf man nur noch mit einer Gesichtsmaske die Moscheen zum Freitagsgebet betreten. Zudem beginnen einige Supermärkte, Cafés und Restaurants damit, die Temperatur ihrer Kunden am Eingang zu messen und ihre Hände mit Antiseptika zu desinfizieren.

Ärztin zeigt sich besorgt über Coronavirus

Unsere Mitarbeiterin Umeda Munavvarova ist Ärztin. Sie arbeitet als Projektkoordinatorin mit besonders gefährdeten Gruppen wie älteren Menschen, Menschen mit Behinderung und Waisenkindern zusammen. Um diese Menschen sorgt sie sich wegen des Coronavirus gerade sehr. Besonders, weil sie von zu Hause aus weniger für diese Menschen da sein kann. Dennoch ist sie froh darüber, dass sie im Moment für ihre Eltern sorgen kann. Auch sie gehören zur Risikogruppe. Als Ärztin und Sozialarbeiterin erarbeitete sie wichtige Informationsmaterialien für hilfesuchende Menschen zu COVID-19, berechnete die erforderliche Menge an Hygieneprodukten sowie Schutzanzügen und entwickelte einen Leitfaden für Sozialarbeiter mit. So kann sie auch von zu Hause aus einen großen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Lage beitragen. Das macht sie sehr stolz.

Umeda Munavvarova gemeinsam mit ihrer Familie.

Autor: Samariddin Bahriddinov

Samariddin Bahriddinov in seinem Homeoffice.

Der Journalist und Übersetzer Samariddin Bahriddinov (39) arbeitet seit zwei Jahren als Kommunikationsbeauftragter im Büro von Caritas Deutschland in Tadschikistan.

Der englische Originaltext wurde übersetzt und redaktionell überarbeitet durch die Onlineredaktion.

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