Küste der Casamance im Senegal

Klimabewegte Zeiten – Fünf Jahre nach Paris

Fünf Jahre ist es her: Am 12. Dezmeber wurde das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet und euphorisch gefeiert. Heute ereilen mich gleich mehrere klimapolitische Nachrichten, die kaum gegensätzlicher sein können. Tatkraft auf der einen, klimabedingte Verheerungen auf der anderen Seite. Was tun anbetracht der zahlreichen Taifune, Wirbelstürme und Überflutungen, wenn auch fünf Jahre nach Paris die Politik zu wenig in den Klimaschutz investiert?


Auf seinem Twitterkanal schreibt der Chefs des Europäischen Rats, Charles Michel: „Europa führt den Kampf gegen den Klimawandel an.“ Die Europäischen Union signalisiert Tatkraft. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich auf ihrem Treffen in Brüssel am 10. Dezember vorgenommen, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Umweltverbände kritisieren, damit seien die Ziele von Paris nicht einzuhalten. i Die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen, erfordert deutlich mehr Engagement.

Die zweite Nachricht kommt aus der Ferne: “Wenn wir darüber sprechen, den Klimawandels aufhalten zu wollen, können wir das auf den Philippinen nicht alleine bewerkstelligen.“ Das meinte heute Pater Tony Labiao, Direktor der Caritas auf den Philippinen: „Erforderlich ist eine globale Antwort, um die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen und immer stärkere Taifune zu verhindern, die unser Land jedes Jahr heimsuchen.“

Überschwemmungen nach dem Taifun Vamco auf den Philippinen
Überschwemmungen nach dem Taifun Vamco auf den Philippinen haben Tausende obdachlos gemacht. https://www.caritas-international.de/hilfeweltweit/asien/philippinen/nothilfe-vamco
„Erforderlich ist eine globale Antwort, um die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen und immer stärkere Taifune zu verhindern, die unser Land jedes Jahr heimsuchen.“

Mit diesen Worten erinnert Pater Labiao an das Pariser Klimaabkommen, das vor genau fünf Jahren verabschiedet wurde. Der Taifun Goni hat auf den Philippinen Ende Oktober über 350.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben, fast fünf Millionen Menschen sind betroffen. Goni ist für den Inselstaat in Südostasien der stärkte Taifun seit zwanzig Jahren. Auf der Insel Catanduanes wurden über 90 Prozent der Infrastruktur zerstört. In den zwölf Tagen nach Goni wurden die Philippinen von den Tropenstürmen Atsani und Etau sowie dem Taifun Vamco heimgesucht. Und wieder waren Millionen Menschen betroffen.

Wechselbäder, Lockdown und Emissionen

Und die dritte Nachricht: Bisher steuert die Welt auf einen Temperaturanstieg bis 2100 von mehr als drei Grad zu. Das stellt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) fest und warnt, damit könne der Klimawandel nicht mehr beherrschbare Formen annehmen.

Die klimapolitischen Botschaften und klimabedingten Ereignisse sind immer wieder ein Wechselbad zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Wie geht man damit um? Wegsehen hilft schließlich nicht. Und die Klimabewegung scheint derzeit ins Stocken zu geraten, nicht zuletzt wegen Corona. 

Trotz aller klimabedingten Katastrophen der letzten Zeit wird es in diesem Jahr keinen Weltklimagipfel geben. Schon früh entschied Großbritannien, die Großkonferenz,  die eigentlich im November in Glasgow tagen sollte, wegen Corona auf 2021 zu verschieben. Eine gute Entscheidung, denn in der Regel werden rund 25.000 Teilnehmende erwartet, was in Pandemiezeiten nicht zu verantworten wäre[ii]. Auf einem virtuellen Gipfel wurden zwar ein paar Zusagen für ein paar zusätzliche CO2 Einsparungen getätig. Doch Entwicklungsminister Gerd Müller bleibt in einer Pressemitteilung skeptisch: „Wir kommen weltweit beim Klimaschutz zu langsam voran. Kaum ein Land ist auf Kurs, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu begrenzen.”

Klimabewegte Zeiten fünf Jahre nach Paris

Doch wer genau hinschaut, findet auch hoffnungsvolle Meldungen in den letzten Wochen. Wegen der weltweiten Corona-Lockdowns sinken die klimaschädlichen Emissionen in diesem Jahr um bis zu sieben Prozent gegenüber 2019. Und die UNEP erklärt: Mit Corona-Konjunkturprogrammen, die ihren Schwerpunkt auf klimafreundliche Energieträger legen (auf den Abbau fossiler Subventionen und auf Wiederaufforstungen zum Beispiel), könnte ein „grüner Wiederaufbau“ bestärkt und die Erderwärmung eingedämmt werden.

Mangrovenaufforstung der Caritas Ziguinchor im Senegal
In der Casamance im südlichen Senegal unterstützt die Caritas lokale Gemeinden bei der Wiederaufforstung von Mangroven. Diese Bäume schützen die Reisfelder vor dem steigenden Meeresspiegel. Die Bevölkerung der Gemeinden war ehemals geflohen, doch die Rückkehrer*innen fassen mit Hilfe der Caritas neuen Mut.

Das Klima kann man nur gemeinsam gestalten

„Wir müssen die Ursache angehen: Die Degradierung unserer Berge, den illegalen Holzeinschlag, den Abbau von Steinbrüchen und nicht-nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken”, fordert Pater Labiao von den Philippen. „Wir brauchen die Hilfe der globalen Gemeinschaft. Nur wenn wir zusammenarbeiten, können wir sicherstellen, dass zukünftige Generationen sicher sind.”

Auch Papst Franziskus sieht in einer globalen Anstrengung die einzige Lösung. Er wendete sich im Oktober mit einem eindringlichen Appell für weltweite Solidarität und internationale Zusammenarbeit an die Glaubensgemeinschaft. Die Vielfalt der welt- und friedenspolitischen Themen, die der Papst in der Enzyklika benennt, machen deutlich: Der Dialog zwischen den Nationen ist wichtiger denn je. 

Das gilt auch für die Klimapolitik. Sicher: Covid-19 trifft gerade Menschen, die in Armut leben, hart. Ernährung und Gesundheitsversorgung für Millionen stehen auf der Kippe. Da erscheint die verordnete Pause in der Klimapolitik nicht als die größte Sorge. Die Corona Pandemie hat weder der Klimaerwärmung eine Pause noch der Klimapolitik Rückenwind verschafft.

Wenn Krisen sich gegenseitig verschärfen

Der Klimawandel und die Corona-Pandemie sind ein unheilvolles Gespann. Nicht nur auf den Philippinen leiden die Menschen unter klimabedingten Wetterextremen. Auch in Äthiopien, dem von Corona am stärksten betroffenen Land in Ostafrika, mussten die Menschen erst eine Dürre, gefolgt von Überflutungen und Heuschreckenplagen zu verkraften. Hinzu kommt die politische Krise im Land.

Die Folgen des Klimawandels verstärken diese Krisen und zehren an den Kräften der Menschen. Der akute Hunger nimmt zu und die Warnungen des  Welternährungsprogramms und des Kinderhilfswerks UNICEF sind ernst: Die Zahl der akut hungernden Menschen könnte in der ersten Hälfte des Jahres 2021 von 3,6 Millionen auf fünf Millionen Menschen ansteigen.

Der Klimawandel kennt keine Pause

Die verordnete Pause der internationalen Klimaverhandlungen ändert daher nichts an der Tatsache, dass der Klimawandel hart zuschlägt. Indes sind hunderte Projekte der Caritas-Verbände weltweit damit beschäftigt, gemeinsam mit den Betroffenen Wege zu finden, wie sich die Menschen gegen den Klimawandel besser wappnen können.

Klimaanpassung ist hier das Stichwort. Doch bei aller Vorsorge vor künftigen Katastrophen gibt es  Grenzen. Schon jetzt zeichnet sich ab: Der der Bedarf an Humanitärer Hilfe steigt und steigt und steigt – mit jedem Zehntel Grad auf dem Erderwärmungsbarometer. Die Vorsorge und Klimaanpassung rettet Leben, doch ihre Kräfte sind begrenzt. Und sie entlastet die internationale Gemeinschaft nicht, in der Politik aktiv zu werden.

Übrigens…

Die Partner der Caritas auf den Philippinen haben vor Ort über 76.000 Menschen mit Lebensmitteln, Hygienesets, Solarlampen, Küchenmaterial, Schlafsets und Wasser versorgt. Auch tritt die Caritas, gemeinsam mit zahlreichen Gemeinden für Veränderungen ein. Etwa im Bergbau, in den Steinbrüchen und gegen den illegalen Holzeinschlag. Dies ist ein wichtiger Teil der Caritas Arbeit auf den Philippinen. So möchte sie helfen, die Auswirkungen extremer Wetterereignisse auf ihr Land zu reduzieren.

An dieser Stellt möchten wir auf zwei Texte aufmerksam machen. Zum einen haben wir ein paar klimarelevante Studien zusammengetragen, die das Ausmaß des fortschreitenden Klimawandels widerspiegeln. Warum wir den Blick in die Fakten wichtig finden? Weil es dem Klimawandel egal ist, ob wir an ihn glauben oder nicht. Die Studien zeigen: Wetterextreme treffen die Ärmsten am härtesten. Zum Blogbeitrag: Neues von der Klimafront

Wie sich die Caritas in der internationalen Klimapolitik für die Interessen der Menschen stark macht

Der zweite Text fasst zusammen, wie sich die Caritas in der internationalen Klimapolitik für die Interessen der Menschen stark macht. Vor allem für jene, die auf die Solidarität aller angewiesen sind. Weil sie sich aus ihrer Armut nicht freikaufen können. Tatkraft ist am Ende definitive der bessere Hebel als enttäuschte Resignation. Hier der Download: Die Stimme der Cartias in der internationalen Klimapolitik


Download Klimabroschüre von Caritas international hier

Download Brüschüre Klimawandel und Humanitäre Hilfe

In der “Im Fokus”-Ausgabe “Klimawandel & Humanitäre Hilfe” geben wir Einblicke in die Probleme, die der Klimawandel für die Humanitäre Hilfe bringt. Es geht um Nothilfe, Strategien der Anpassung und die Frage nach Gerechtigkeit.


[i]Bevor dazu aber ein Beschluss fällt, muss mit dem EU-Parlament noch verhandelt werden. Das Parlament sähe lieber 60 als 55 Prozent. Irgendwo dazwischen wird man sich wohl treffen.

[ii] Schon der Weltklimagipfel 2019 hatte mit Stolpersteinen zu kämpfen. Er sollte in Chile stattfinden, wurde dann jedoch aufgrund der politischen Inlandskrise spontan in Madrid abgehalten. Ein Notnagel, denn viele Menschen aus dem Globalen Süden mussten ihre Teilnahme wegen Kosten und Visahürden absagen.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.