Geflüchtete in Bosnien

You are alive. Hold on to your dreams.

An die 2.000 Menschen haben das Flüchtlingscamp Bira bis Anfang November verlassen. Nun sind die Geflüchteten teilweise obdachlos und bei winterlichen Temperaturen auf sich selbst gestellt. Trotz großer Not bleibt das Camp Bira ungenutzt. Birgit Ertl war Anfang Februar 2021 für humanitäre Hilfsmaßnahmen in Bosnien. Für Caritas international teilt sie ihre vor Ort gewonnen Eindrücke.

„You are alive – Hold on to your dreams!“ – Diese Zeilen, die bis vor wenigen Monaten wohl unzähligen Menschen Hoffnung gegeben haben, liest heute niemand mehr. Zu finden sind sie im verlassenen Flüchtlingscamp Bira, in der Stadt Bihac in Bosnien. Bis Ende Oktober fanden hier rund 2.000 Menschen Zuflucht. Dann wurde das Camp geräumt, Familien und Kinder kamen in feste Unterkünfte.

Ein Geflüchteter versucht sich bei eisigen Temperaturen mit einer Decke zu wärmen. Foto: Kemal Softic / Picture Alliance

Überlebenskampf in bosnischen Wäldern

Einige der geflüchteten Männer wurden mit Bussen in ein weiteres Flüchtlingslager außerhalb der Stadt gebracht. Doch viele wurden schlicht sich selbst überlassen. Auch heute, über drei Monate später, führt ein Großteil von ihnen noch immer einen Überlebenskampf in den Wäldern rund um Bihac. Unsere Partner schätzen, dass derzeit etwa 3.000 Menschen in der Gegend obdachlos unter freiem Himmel schlafen.

Verlassener Zufluchtsort für 2.000 Menschen

Und das Flüchtlingscamp Bira? Es steht nach wie vor leer. Vor dem Eingang weist ein großes Transparent darauf hin, dass das hier kein Camp mehr ist. In den großen Hallen stehen unbewohnte Wohncontainer, unbenutzte Duschen, ungebrauchte Toiletten. In Verwendung ist nur noch die provisorische Küche, über die das Rote Kreuz das Essen für die Flüchtlinge vorbereitet und die Wäscherei, in der die Caritas die Kleidung für die Menschen reinigt.

Caritas-Mitarbeiter*innen verteilen Trinkwasser an Geflüchtete.
Caritas-Mitarbeiter*innen verteilen Trinkwasser an Geflüchtete. Foto: Matteo Placucci / Caritas Österreich

Während wir die großen Räume des ehemaligen Camps besichtigen, wird die Stimmung zunehmend stiller. Wie ist es möglich, dass Menschen im Schnee schlafen müssen, während es gleichzeitig leerstehende, beheizbare Räume gibt. Und selbst jene aus unserer Gruppe, die schon sehr lange Auslandshilfeprojekte aufbauen und betreuen, können nicht glauben, was sie hier sehen. Seit über 20 Jahren arbeite ich für die Caritas und will mich an Unrecht nicht gewöhnen. Jeder Mensch verdient, auch wie ein Mensch behandelt zu werden.  

Es gibt jetzt eine Suppe. Wir waren den ganzen Tag unterwegs, haben Mahlzeiten und Decken verteilt und hatten selbst noch nichts zu essen.

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