Es werden Winterjacken und Decken verteilt, um die Menschen gegen die Kälte zu schützen.

Leben ohne Strom, Heizung und fließend Wasser

In Abbruchhäusern und Wäldern leben derzeit fast 3.000 Geflüchtete ohne angemessenen Schutz. Besonders Nachts machen den Menschen Minustemperaturen zu schaffen. Birgit Ertl, Europakoordinatorin der Caritas Österreich, ist über die vorherrschenden Umstände schockiert und sieht dringenden Handlungsbedarf.

Rund 3.000 Menschen, die in der Region Bihac weitestgehend auf sich allein gestellt sind, leben ohne Strom, fließend Wasser oder Heizung in Wäldern oder Abbruchhäusern. Anfang Februar haben wir einige von ihnen besucht.

Wir füllen die Kofferräume mit Decken und warmem Essen. Unsere Nothilfe wird hier von den Mutter Teresa Schwestern umgesetzt, mit ihnen sind wir heute auch unterwegs. Mit Spenden der Caritas werden über die Schwestern Mahlzeiten und Nothilfe, wie Decken und medizinische Versorgung verteilt. Etwas außerhalb der Stadt bleiben wir stehen und kämpfen uns zu Fuß durch Gestrüpp und über Bächlein.

Es werden Winterjacken und Decken verteilt, um die Menschen gegen die Kälte zu schützen.
Es werden Winterjacken und Decken verteilt, um die Menschen gegen die Kälte zu schützen. Foto: Matteo Placucci / Caritas Österreich

„Ich dachte Europa wäre menschlicher“

Bereits die erste Gruppe, die wir treffen, ist über die medizinische Versorgung sehr froh. Vier Männer haben Plastikplanen an Bäumen befestigt und eine provisorische Unterkunft gebastelt. Alles ist verschlammt, wir können kaum gehen.

Ein junger Mann zeigt uns seine Erfrierungen am Fuß. Ein anderer Herr erzählt, dass er seit Monaten die gleiche Jogginghose trägt, die einfach zu dünn für die Jahreszeit ist. Es sind Männer aus Pakistan, die sich hier um eine Feuerstelle versammeln und wärmen. Die meisten von ihnen sind schon mehrere Jahre unterwegs. Es ist ein langer Weg, um zu Fuß von Pakistan nach Europa zu gehen. Nicht jeder schafft das: Ein junger Mann erzählt uns, dass sein Freund zusammengebrochen und an Erschöpfung gestorben sei. Doch die härteste Zeit, die hätten sie jetzt, hier in Europa. „Ich dachte Europa wäre menschlicher“, sagt einer der Männer. Am schlimmsten sei das Nichts-tun, das Frieren und Warten. Wenn wir wenigstens Arbeit hätten, hören wir wiederholt.

Weiterer Blogbeitrag von Birgit Ertl:

Mehr zur internationalen Caritas-Arbeit in Bosnien.

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