Spielenachmittag in Bosnien

Ein Stück heile Welt? Geflüchtete Kinder im Camp Sedra in Bosnien

In der Unterkunft Sedra leben junge und alte Menschen zusammen in einem alten Hotel. Die Arbeit von Sanela, die selbst einmal nach Deutschland geflüchtet und nach Bosnien zurückgekehrt ist, ermöglicht einen intakten Moment für die dort lebenden Kinder. Die mittlerweile erwachsene Frau und ihre Kolleg*innen verwirklichen den Kindern diese unbeschwerte Zeit in einer sogenannten Social Corner. Birgit Ertl ist Europakoordinatorin der Caritas Österreich und berichtet:

Neben den unterschiedlichen Geschichten der geflüchteten Menschen ist die Arbeit der Mitarbeiter*innen in der Flüchtlingsunterkunft Sedra in Bosnien ebenfalls einzigartig. Die von uns besuchte Unterkunft beherbergt derzeit 340 Menschen, sie kommen vor allem aus Pakistan, Afghanistan und dem Iran.

Als wir das Terrain betreten, spielen rund 20 Kinder vor dem Haus und veranstalten eine Schneeballschlacht, auch die Erwachsenen machen mit. Das laute Lachen aller Anwesenden im Schnee erinnert mich an eine Winterszene, wie sie zu dieser Jahreszeit wohl auch an vielen anderen Orten der Welt zu sehen sein dürfte.

Die vor uns liegende Unterkunft war ehemals ein Hotel und im Vergleich zu dem was wir schon gesehen haben, macht das Haus einen sehr guten Eindruck. Es bietet jedenfalls eine Schutzmöglichkeit für Familien. Das Haus scheint warm und sauber zu sein, der große Hotelspeisesaal wird als Gemeinschaftsraum genutzt, auch das Foyer wird stark von den Bewohner*innen besucht. Überall im Haus hängen Kinderzeichnungen an den Wänden, was die Umgebung freundlich wirken lässt. Neben den jungen Bewohner*innen gibt auch einige ältere Menschen in der Gruppe. Eine 75 Jahre alte Frau aus Pakistan ist sichtlich amüsiert und beobachtet die Kinder.

Kindermalerei in Bosnien
Gemalte Bilder von geflüchteten Kindern in der bosnischen Unterkunft Sedra. Foto: Caritas Österreich

Rückzugsort in der Social Corner

Caritas betreibt in Sedra gemeinsam mit Ipsia, einer italienischen Organisation, die sogenannte ″Social Corner“. Dort haben Kinder, wenn sie von der lokalen Schule nach Hause kommen, einen Rückzugsort. In der Social Corner können die Schulkinder ihre Hausaufgaben machen und werden von Einheimischen unterstützt. Während unseres Besuchs werden die Schulaufgaben zügig erledigt, damit noch genug Zeit zum Spielen bleibt. Auch da kommt die ältere Dame dazu, mir fällt auf wie geduldig und geschickt sie beim Perlenfädeln ist.

Spielenachmittag in Bosnien
Spielenachmittag geflüchteter Kinder in der Social Corner. Foto: Caritas Österreich

Sanelas eigene Asylgeschichte kommt nun ihren Schützlingen zugute

Sanela (Name geändert) arbeitet mit einigen anderen Frauen in der Social Corner der Caritas. Nach ein paar Sätzen in ihrer Muttersprache spricht sie mit mir auf Deutsch. Die akzentfeie Aussprache erstaunt mich sehr, auf die Frage woher sie die deutsche Sprache so gut gelernt hat erklärt sie: „Ich habe als Kind als Flüchtling in Süddeutschland gelebt. Mir ist es dort gut gegangen und ich verbinde nur Positives mit dieser Zeit. Die Sprache ist mir geblieben und bis heute ist das für mich eine Erinnerung an eine Zeit, in der ich mich sicher gefühlt habe. Seit 25 Jahren bin ich wieder in Bosnien und Herzegowina (BiH), nach vielen Zwischenstationen habe ich jetzt meinen Platz gefunden“.

Während des Gesprächs strahlen Sanelas Augen, besonders wenn sie von der Arbeit mit den Kindern erzählt. Sanela macht deutlich, wie sehr sie um diese Arbeit hat kämpfen müssen. Da Jobs in BiH und rund um Bihac rar sind, ist es besonders für junge Menschen schwierig eine erfüllende Arbeit zu finden.

„Wenn ich diese Kinder sehe, dann denke ich immer daran, dass ich damals in Deutschland auch ungefähr in ihrem Alter war. Ich habe so eine deutliche Erinnerung an unsere Zeit in der Flüchtlingsunterkunft. Die Kinder, die hier bei uns in Sedra sind, haben schon vieles, oft auch viel schreckliches erlebt. Ich wünsche mir, dass sie sich hier bei uns sicher und wohl fühlen und eines Tages auch mit so einem guten Gefühl an die Zeit in BiH zurückdenken, wie ich das jetzt kann. Gerne möchte ich ihnen einen kleinen Teil ihrer Kindheit zurückgeben.“

Weiterer Blogbeitrag von Birgit Ertl:

Mehr zur internationalen Caritas-Arbeit in Bosnien auf unserer Webseite.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.