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Nach Klimakonferenz in Glasgow:

DIE LAST DER VERLUSTE UND SCHÄDEN DURCH DIE ERDERWÄRMUNG BLEIBT

Auf der Weltklimakonferenz (COP) in Glasgow, die am Samstag endete, ist ein alter Streit neu entbrannt. Die Länder, die schon jetzt vom Klimawandel stark betroffen sind, wollen Geld für die bereits erlittenen Schäden und Verluste. Was hat die 26. Klimakonferenz denen gebracht, deren Existenzen durch klimabedingte Stürme, Fluten und Hitzewellen bedroht sind?

Schon 2013 wurde das Thema „Schäden und Verluste“ – im Konferenzjargon „loss and damage“ – auf der Weltklimakonferenz in Warschau auf die Tagesordnung gehievt. Zu jener Zeit brauste der Taifun „Haiyan“ über Teile der philippinischen Küstenregion. „Haiyan“ ist bis heute einer der stärksten tropischen Wirbelstürme, die seit Beginn verlässlicher Wetteraufzeichnungen beobachtet wurden. Die Schäden und Verluste waren damals gewaltig. In den beiden Provinzen Leyte und Samar wurden etwa 4,3 Millionen Menschen obdachlos, rund 6.300 Menschen starben.

Schneise der Zerstörung nach dem Taifun Haiyan

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Der Taifun Haiyan traf auf die Philippinen, während in Warschau über das Klima verhandelt wurde. Der tropische Wirbelsturm hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Tausende haben ihr Leben verloren. Rund vier Millionen Menschen wurden obdachlos.

Die Warnungen der Inselstaaten im Pazifik vor den akuten Folgen des Klimawandels wurden nun ernster genommen als bisher. Der Appell der philippinischen Delegation wurde nicht zuletzt aufgrund von „Haiyan“ erhört. Die Delegierten auf der COP 2013 beschlossen den „Internationalen-Warschau-Mechanismus“. Der sollte sich der Schäden und Verluste durch den Klimawandel fortan annehmen. In Artikel 8 des Pariser Klimaabkommens wurden das Thema später sogar als eigenständiger Punkt auf der Agenda der Klimapolitik formuliert. Trotzdem ruhten bisher die Verhandlungen darüber, wie die internationale Gemeinschaft mit jenen dramatischen Folgen umgehen soll, die schon heute durch klimabedingte Stürme, Fluten und Hitzewellen entstehen. Nun endlich sollte in Glasgow ein klareres Regelwerk geschaffen werden. Die Bilanz fällt jedoch mau aus.

Eindeutig zu vage

Welchen Stellenwert ein Thema auf der Klimakonferenz hat, lässt sich gut daran ablesen, ob es in den Verhandlungen über Finanzen auftaucht oder nicht. Die Klimafonds sind bisher weitgehend für Klimaschutz reserviert, wie beispielsweise für den Ausbau der Erneuerbaren Energiegewinnung. Geld gibt es auch für die Klimaanpassung, etwa den Bau von Deichen oder das Züchten von Saatgut, das besser an Dürren oder Hitze angepasst ist. Bisher gibt es jedoch keinen UN-Prozess für die Menschen, die schon jetzt mit dem Verlust ihrer Häuser, Felder und Werkstätten konfrontiert sind.

Als die Vertreter_innen der Entwicklungsländer am Donnerstagabend der Konferenz in Glasgow erneut einen Fonds zur Eindämmung der unabwendbaren Folgen der Erderwärmung forderten, lenkten die Industrieländer leicht ein. Sehr schwammig formuliert und vage angedacht ist nun, technische Hilfe finanziell zu unterstützen. Immerhin: Das sogenannte Santiago-Netzwerk , das auf der letzten COP in Madrid gegründet wurde, soll darin gestärkt werden, bessere Lösungen zum Umgang mit Verlusten und Schäden zu entwickeln – gemeinsam mit den Entwicklungsländern. Zwar wurde beschlossen, ein Sekretariat hierfür einzurichten. Doch das bedeutet lediglich, dass in den nächsten Jahrzehnten mit mehr Struktur und Verhandlungsressourcen weiterverhandelt wird. Ein Durchbruch ist nicht.

Der Knackpunkt liegt in der Frage nach der Verantwortung. Die wirtschaftsstarken Verursacherstaaten fürchten, sie könnten juristisch und finanziell für die Klimakrise und deren Auswirkungen anderenorts verantwortlich gemacht werden, wenn man sich auf konkrete und verpflichtende Handlungen im Falle von klimabedingten Katastrophen einigen würde. Und das, obwohl eine derartige Haftung im Pariser Abkommen ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Schäden und Verluste bleiben also das strittigste Thema der Klimaverhandlungen – auch in Zukunft. Doch die Zeit drängt!

Tropische Stürme fordern weiterhin tausende Opfer. Auf „Haiyan“ 2013 folgten Hurrikan „Matthew“ 2016 in Haiti, Wirbelsturm „Maria“ 2016 in Puerto Rico und Kuba, Zyklon „Idai“ 2019 in Mosambik. Im Jahr 2020 fegten so viele Wirbelstürme wie noch nie über den Pazifik. Faktisch hat sich die Anzahl aller jährlich registrierten Katastrophen infolge von Extremwetterereignissen in den letzten zwanzig Jahren beinahe verdoppelt.[ii]

Klimabedingte Schäden und Verluste nehmen zu

2019 waren laut dem Katastrophen-Weltbericht 97,6 Millionen Menschen hiervon betroffen.[i] Die Weltbank schätzt, dass bis zum Jahr 2050 mehr als 140 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels innerhalb der Grenzen ihres Landes langfristig vertrieben werden und migrieren müssen.[iii] Das Ecological Threat Register 2020 prognostiziert, dass 31 Staaten nicht widerstandsfähig genug sind, um die politischen und ökologischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte zu bewältigen. Hier sind weitere Krisen absehbar. Ökologische Desaster und politische Konflikte verstärken sich schon jetzt in Somalia, Südsudan, Jemen, Afghanistan, Mosambik und Pakistan.

Vor allem humanitäre Akteure betonen die Relevanz des Problems. Während des Klimagipfels in Glasgow schrieben über 300 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter das Bündnis kirchlicher Werke, einem Offenen Brief an den Präsidenten der COP26, Alok Sharma, und an die Staats- und Regierungschefs. Sie forderten, Industrieländer und reichere sowie stark emittierende Schwellenländer sollten verpflichtet werden, Finanzmittel für klimabedingte Schäden und Verluste für die vom Klimawandel stark betroffenen Menschen bereitstellen. Man kann jedoch nicht abwarten, bis die internationale Politik den Rahmen für verbindliche Kompensationen und praktische Lösungen schafft. Das hat die COP 26 wieder einmal bestätigt.

Caritas international: Der humanitäre Bedarf wird weiter steigen

Caritas international arbeitet in vielen Ländern schon länger an nachhaltigen Methoden zur Klimaanpassung. Ein Beispiel: In Eritrea wird es durch die Klimaveränderungen immer heißer. Die Sonne trocknet die Felder der Bäuerinnen und Bauern aus. Ernten verdorren, die Getreidespeicher bleiben leer, die Menschen hungern. In einem Projekt, das die Caritas mitfinanziert, nutzt eine Dorfgemeinschaft nun die Kraft der Sonne, um Solarpumpen zu betreiben. Sie pumpen Wasser aus den Tiefen der Erde. Durch ein ausgeklügeltes System aus Rohren und Rückhaltebecken fließt das Wasser zu den Wasserzapfsäulen in die Dörfer. Ein Schlauchsystem bewässert die Felder.

Es gibt viele Lösungen wie diese, die den betroffenen Menschen helfen können, mit den Folgen des Klimawandels klarzukommen. Ziel der Hilfe muss sein, die Begebenheiten vor Ort zu nutzen und die bereits angewandten Lösungsstrategien in den Gemeinschaften zu stärken. Hilfsmaßnahmen müssen in den sozialen Kontext der Menschen gut eingebettet sein, damit sie funktionieren. Nur: In Anbetracht des globalen Ausmaßes der Klimakrise können die Budgets privater und öffentlicher Geber der humanitären Hilfe nur zu einem kleinen Teil abfangen, was die Politik versäumt. Es bleibt dabei: Irreversible Schäden und Verluste durch klimabedingte Katastrophen werden die Menschen hart treffen. Und die Nothilfe wird für all diejenigen da sein müssen, die mit Ernährungskrisen, zerstörtem Wohnraum, verdrecktem Wasser und versalzenen Feldern leben sollen.

Hier erfahrt ihr mehr über die Solarbrunnen in Eritrea für sauberes Wasser und sichere Ernten

Eritrea - Wasser spendet Leben

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Der Weg bis zum Wasserstelle ist für Samila nicht mehr weit. So wie sie sparen die Bewohnerinnen viel Zeit, seit der solarbetriebene Brunnen die Wassertanks füllt. Und sie haben sauberes Trinkwasser - ein lebenswichtiges Gut.


[i] Word Disaster Report 2020 https://www.ifrc.org/media/8968

[ii] 1966 waren es 33 Katastrophen, der bisherige Höhepunkt lag 2020 bei 441 Katastrophen.

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