Alle Beiträge von Marc-Maurice Lindl

Marc-Maurice Lindl engagiert sich seit August 2019 als Freiwilliger der Erzdiözese Freiburg in der peruanischen Stadt Arequipa. Er unterstützt die Caritas Arequipa unter anderem bei einem Integrationsprojekt an verschiedenen Schulen.

Peru und das Coronavirus – ein Land in Quarantäne

Schon bevor es in Peru den ersten Covid-19-Kranken gab, war das Coronavirus das allumfassende Thema hier in Peru. Ob in meiner Einsatzstelle, der Gastfamilie oder in meiner Freizeit, Corona war Mittelpunkt aller Gespräche. Dies hat sich nach dem ersten Corona-Fall und der darauffolgenden Ausbreitung des Virus in Peru deutlich verschärft. Jeder weiß bessere Schutzmethoden, kennt die aktuelleren Zahlen und hat die besseren Vorschläge, um das Virus einzudämmen.

Eine Krankheit der Weißen

Laut dem, was ich von Zuhause aus Deutschland mitbekomme, ist die Stimmung in Peru ähnlich. Immer wieder höre oder lese ich offensichtliche Falschmeldungen wie zum Beispiel „Nur Weiße können sich an dem Virus anstecken!“ oder „Der Papst ist infiziert!“. Außerdem beobachte ich, wie die Angst vor der Pandemie in Diskriminierung umschlagen kann. So musste sich eine andere Freiwillige, deren Eltern aus Vietnam kommen, auf der Straße den Kommentar anhören: „Ah China, die Krankheit!“.

Stillstand von einem Tag auf den anderen

Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, zu welchen Maßnahmen die Pandemie in Peru führen würde. Zumal ich mir selbst wenige Sorgen und Gedanken machte und die Hysterie nicht wirklich verstand. Als am 15. März die Zahl der Infizierten innerhalb eines Tages von rund 50 auf ungefähr 75 stieg, hielt Präsident Vizcarra eine Ansprache ans Volk. Darin rief er den Notstand für 15 Tage aus und verhängte eine Ausgangssperre. Seitdem kontrollieren das Militär und die Polizei, ob sich alle daran halten und niemand grundlos auf der Straße herumläuft. Alle Flüge in Peru und nach Asien sowie Europa wurden gecancelt. Innerhalb des Landes liegt der Busverkehr lahm.

Kein leichter Abschied

Einen Tag nach Vizcarras Ansprache bekamen wir, also alle Weltwärts-Freiwillige, mittgeteilt, dass wir so schnell wie möglich heimgeholt werden. Wie das funktionieren soll und vor allem wann, weiß zum jetzigen Zeitpunkt niemand. Mir bleibt nichts anderes übrig, als in dem Haus meiner Gastfamilie zu bleiben und auf neue Infos zu meiner Rückreise zu warten. Das Ende meines Freiwilligendienstes habe ich mir auf jeden Fall ganz anders vorgestellt. Es fühlt sich falsch und unvollständig an, jetzt schon die Heimreise antreten zu müssen. Am 26. März startete das erste Flugzeug nach Deutschland. Es scheint jetzt alles ganz schnell zu gehen. Wann ich allerdings wieder deutschen Boden betrete, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Ein leichter Abschied wird das unter diesen Bedingungen nicht.

Caritas macht mehr als nur Altenhilfe – auch in Peru

Marc-Maurice Lindl engagiert sich seit August 2019 als Freiwilliger der Erzdiözese Freiburg in der peruanischen Stadt Arequipa. Er unterstützt die Caritas Arequipa unter anderem bei einem Integrationsprojekt an verschiedenen Schulen. Was er dort genau macht, erfahrt ihr in seinem Blogbeitrag.

Hallo zusammen, mein Name ist Marc-Maurice. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus dem kleinen Dorf Höpfingen im Odenwald. Während meiner Schulzeit habe ich mich entschieden, nach dem Abschluss einen einjährigen Freiwilligendienst in Peru zu machen.  Und nun bin ich schon seit sieben Monaten bei der Caritas in Arequipa. Während dieser Zeit bin ich bei einer Gastfamilie im Norden Arequipas untergebracht. Ich wohne dort zusammen mit meinen zwei Gastschwestern Luz (2) und Rubí (15), meinem Gastbruder Josué (16) und meinen Gasteltern Vilma und Jesus in einem Haus im Stadtviertel Villa Paraiso.

Mein Gastvater Jesus macht ein Selfie mit der ganzen Familie.

Mehr als nur Altenhilfe

Wenn man mich vor meiner Zeit als Freiwilliger in Peru gefragt hätte, was die Caritas eigentlich so macht, hätte ich wahrscheinlich geantwortet: „Senioren Essen bringen und so…“. Ab und zu sah ich in Deutschland einen rotweißen Caritas-Van vorbei fahren.  Dass die Caritas allerdings ganz viele verschiedene Hilfsprojekte auf der ganzen Welt betreibt, habe ich erst in der Bewerbungs- und Vorbereitungszeit auf den Freiwilligendienst richtig realisiert. So gibt es auch in ganz Peru Einrichtungen und Projekte der Caritas, in denen nicht nur ich, sondern auch andere Freiwillige arbeiten.

Meine Arbeit an verschiedenen Schulen

Die meisten Projekte der Caritas Arequipa richten sich an mit Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung, wie zum Beispiel die acht speziellen Förderschulen. An drei der acht Schulen unterstütze ich vormittags die Lehrerinnen. Ich habe ganz verschiedene Aufgaben: Ich begleite einzelne Kinder zum Zähne putzen, helfe ihnen beim Essen oder mache mit ihnen Schreib- oder Leseübungen. Mir gefällt die Arbeit an den Schulen sehr gut – vor allem, dass die Schülerinnen und Schüler trotz ihrer ganz verschiedenen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Autismus oder Downsyndrom zusammen lernen und ihre soziale Herkunft dabei keine Rolle spielt. Es ist für alle ganz egal, wie man aussieht, was man kann oder nicht kann und wie man spricht. Davon kann ich mit meinem unüberhörbaren deutschen Akzent ein Lied singen.

Die Gelassenheit der Lehrerinnen ist beeindruckend

Generell gefällt mir die Atmosphäre an den Schulen sehr – besonders die Art, wie die Lehrerinnen mit den Kindern umgehen. Es ist bemerkenswert, wie viel Geduld sie tagtäglich für jedes einzelne Kind aufbringen. Das ist in diesem Beruf unerlässlich. Zum Beispiel gibt es ein Mädchen mit schlechtem Kurzzeitgedächtnis, das sich kaum etwas merken kann. Manchmal fragt sie alle zehn Sekunden, ob man morgen auch kommt oder was man heute noch vorhat. Ganz ehrlich: Das kann auf Dauer ziemlich anstrengend sein. Nichtsdestotrotz bewahren die Lehrerinnen immer Ruhe und Geduld. Sie behandeln jedes Kind mit dem nötigen Respekt.

Hier bin ich in einer der Schulen in Arequipa.

Einzelbetreuung am Nachmittag

Nachmittags helfe ich in einem Inklusionsprojekt mit. Dafür besuche ich zwei Jungen mit Autismus zuhause. Ich verbringe dann Zeit mit ihnen und ihren Familien, mache verschiedene Übungen mit den Kindern oder wir kochen zusammen. Ich bin auch eine Ansprechperson für die Familie, falls es Probleme in der Schule oder Zuhause gibt. Diese bespreche ich dann mit einem der Mitarbeiter des Inklusionsprojektes der Caritas.

Das war’s vorerst von mir. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in meinen Freiwilligendienst hier in Peru geben.